Vielleicht bist du auf meiner Seite oder auch auf anderen Wegen mal über den Begriff „Trauma-sensibles Yoga“ oder „Trauma Yoga“ gestolpert. Doch was genau bedeutet das, wie kann uns Yoga bei Trauma unterstützen und was macht eine Trauma-sensibles Yogastunde eigentlich aus? Das alles erfährst du hier.
Was zeichnet Trauma-sensibles Yoga aus?
Trauma-sensibles Yoga (TSY) ist vielmehr eine Methodik als ein Yogastil. Das bedeutet, ich kann jeden Yogastil aus einer Trauma-sensiblen Sichtweise unterrichten. Eine der wichtigsten Aspekte von TSY ist die Entscheidungsfreiheit der Teilnehmenden. Das bedeutet, dass zum Beginn der Stunde oder des Kurses vermittelt wird, dass alles nur ein Angebot ist und keine Verpflichtungen zur Teilnahme bestehen. Damit wird ein safer Space geschaffen – einen komplett sicheren Rahmen können wir nicht bieten, aber hoffentlich einen sichereren. Entscheidungsfreiheit, auf Englisch „Agency“, wurde Menschen, die Trauma erfahren haben, genommen. Im Rahmen einer Trauma-sensiblen Yogastunde wollen wir die Menschen darin wieder bestärken.
Diese Entscheidungsfreiheit spiegelt sich auch in der Sprache wider. Es wird einladend formuliert, also aus „Komm ins Sitzen“ wird „Wenn du möchtest, komm ins Sitzen“. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Satz so formuliert werden muss – das wäre sehr zeitintensiv und irgendwann wahrscheinlich auch lästig. Aber im Laufe der Stunde werden immer wieder Angebote ausgesprochen und vor allem Alternativen angeboten, wie etwa: „Wenn du möchtest, schließ deine Augen oder halte den Blick weich aber geöffnet.“ Als Trauma-sensible Yogalehrer*innen erkennen wir in diesem Kontext an, dass es beim Schließen der Augen auch ein gewisses Gefühl von Sicherheit bedarf. Oft werden die Teilnehmenden in anderen Yogastunden einfach dazu aufgefordert, ihre Augen zu schließen – das wäre zum Beispiel nicht Trauma-sensibel.
Alle Menschen profitieren von Trauma-sensiblem Yoga, da Trauma an sich auch im Unterricht nicht angesprochen wird. So können auch Menschen, die sich gerade gestresst fühlen, an einer solchen Yogastunde teilnehmen. Es geht darum, sich in einer Yogastunde wohlzufühlen. Der eigene Raum und die Grenzen werden geschätzt – und wem würde das nicht guttun?
Welche Inhalte umfassen Trauma-sensibles Yoga?
Im Kern von Trauma-sensiblem Yoga steht das vegetative Nervensystem. Dort werden Trauma-Reaktionen, die dem von Stress sehr ähneln, wenn nicht sogar gleichen, verarbeitet. Obwohl wir das vegetative Nervensystem nicht aktiv steuern können, ist es sehr wohl regulierbar. Das bedeutet, wir können zum Beispiel aus einem erregten Zustand, etwa bei Angst, langsam wieder in den Norm-Bereich kommen. Natürlich ist das abhängig davon, wie lange wir schon in dem Zustand sind und wie die Stunde konzipiert ist, aber oft fühlen sich Teilnehmende nach solchen Stunden entspannter und geerdeter.
Unser Nervensystem können wir auf verschieden Weise regulieren. Bewusste Berührung ist eine Möglichkeit, sich hier etwas Gutes zu tun. Rhythmische Bewegungen wie Schwingen oder wiegen tun den meisten ebenfalls gut. Wir gehen mit uns selbst so um, wie etwa mit einem unruhigen Kind: Wir nehmen uns in den Arm und wiegen uns. Das klingt vielleicht erstmal seltsam, aber wenn wir diese anfängliche Skepsis überwunden haben, kann es ganz wundervoll sein.
Ein weiterer zentraler Teil von Trauma-sensiblem Yoga ist der Körper. Nach traumatischen Erfahrungen verlieren wir oft das Gefühl für den Körper, er wird taub oder wir spüren ihn einfach nicht mehr. Im TSY versuchen wird, den Kontakt wiederherzustellen und lenken die Aufmerksamkeit auf die körperliche Erfahrung, etwa durch Formulierungen wie „Spür den Kontakt deiner Füße zum Boden“. Dadurch lenken wir den Blick auch weg von der optischen Wahrnehmung im Yoga, also, wie die Haltung aussieht, und schulen vielmehr die Körperwahrnehmung und das Körperbewusstsein.
Allgemein steht die Wahrnehmung im Trauma-sensiblem Yoga im Fokus. Die Teilnehmenden lernen dadurch, besser auf ihre Bedürfnisse zu hören. Pausen können beispielsweise immer kommentarlos genommen oder Haltungen beliebig ausgetauscht werden, was gerade Teilnehmenden mit Erfahrung oft leichter fällt. Was ich zum Beispiel gerne mache, ist grade zum Ende der Yogastunde bewusst Raum zu geben für eine abschließende Haltung. Ich gebe dafür 1-2 Beispiele, weil das sonst auch überfordernd sein kann und ermutige die Teilnehmenden, das zu tun, was der Körper grade braucht.
Das klingt alles vielleicht nicht besonders aufregend, aber wenn das alles in eine runde Yogastunde verpackt ist, dann können wir unser Nervensystem wirklich regulieren und uns etwas Gutes tun.
Was ist kein Trauma-sensibles Yoga?
An dieser Stelle finde ich es sehr wichtig zu betonen, dass Trauma-sensibles Yoga keine Therapie, sei das Gesprächstherapie oder medikamentöse Therapie, ersetzen kann. Es kann diese aber wunderbar ergänzen. Was ich in meiner Branche sehr problematisch finde, sind Menschen, die Heilversprechen geben. Das ist nicht korrekt und in manchen Ländern, wie Deutschland, sogar strafbar.
Als Trauma-sensible Yogalehrer*innen müssen wir uns bewusst sein, dass auch Menschen zu uns kommen, die verzweifelt auf der Suche nach einer Lösung sind. In der Disziplin des Yogas gibt es immer wieder Machtmissbrauch, da doch auch eine gewisse Hierarchie besteht, so flach diese auch sein mag. Wir müssen die Grenzen des eigenen Handlungsspielraums wahrnehmen und diese auch kommunizieren. Das ist auf jeden Fall etwas, was mir in der Bubble von Trauma und Yoga fehlt.
Gleichzeitig kursieren auch viele Videos im Internet, wo Menschen Trauma aus dem Körper entweichen lassen. Der Körper vibriert dabei und es wirkt wie eine sehr intensive und emotionale Erfahrung. Das finde ich schwierig. Zum einen leiten solche Videos Menschen dazu ein, diese Übungen vielleicht allein auszuprobieren, um dann mit der Erfahrung am Ende alleine und gar verloren dazustehen. Zum anderen sind das teilweise dubiose Methoden, die weder wissenschaftlich bewiesen sind noch notwendigerweise zu einer Erfahrung führen.
Also wenn ein Heilversprechen ausgesprochen wird, dubiose Videos gezeigt werden oder auch das Bauchgefühl irgendetwas zu melden hat, dann würde ich eher davon abraten, zu dieser Person in den Unterricht zu gehen.
Wo finde ich Trauma-sensibles Yoga?
Wenn du deine Suche an diesem Punkt beenden möchtest, dann kannst du gleich im Anschluss mein Online Yogastudio für 14 Tage kostenlos testen. Ich biete dort sowohl Live Yoga als auch On-Demand-Inhalte an, allesamt werden aus einer Trauma-sensiblen Perspektive unterrichtet. Auf meinem YouTube-Kanal kannst du auch mit mir praktizieren, wobei ich finde, dass im Studio der Kontakt enger und persönlicher und der Mehrwert in dieser Hinsicht doch größer ist. Aber du kannst ja mal dort vorbei schauen und dir selbst ein Bild machen.
Ansonsten kannst du einfach die gute alte Suchmaschine verwenden. Gerade Online Angebote mag ich persönlich sehr gerne und sie eröffnen dir auch einen großen Raum an Möglichkeiten. Ich sehe viele Vorteile bei Online Yoga, insbesondere, wenn es sich um Trauma-sensibles Yoga handelt. Das Angebot rund um TSY ist auch verschieden. Manche Lehrer*innen bieten gezielt Kurse zu Trauma-sensiblem Yoga an, andere unterrichten zwar aus der Perspektive, weisen es aber nicht bei jedem Programmpunkt explizit aus (so wie ich).
Andere Begriffe, die auch Trauma-sensibles Yoga umfassen können, sind beispielsweise Yoga bei Stress oder Yoga für Stressmanagement – aber da hängt es auch davon ab, welche Ausbildung die Person hat. Das lässt sich im Idealfall aber leicht herausfinden.
Zusammenfassung
Trauma-sensibles Yoga ist eine Methodik, die dabei unterstützt, das vegetative Nervensystem zu regulieren. Der Fokus liegt dabei auf der Entscheidungsfreiheit der Teilnehmenden, um einen sichereren Raum zu kreieren. Die Teilnehmenden werden in einer Trauma-sensiblen Yogastunde dazu eingeladen, auf ihre Bedürfnisse zu hören und in den Körper zu spüren. Gerade die körperliche Wahrnehmung steht im Vordergrund, da Menschen, die Trauma erfahren haben, oft den Kontakt zum Körper verloren haben.
Auch wenn die Methodik unglaublich wertvoll sein kann, ist es wichtig, zu erkennen, wer transparent und anständiges Trauma-sensibles Yoga unterrichtet. Heilversprechen oder dubiose, somatische Erfahrungen lassen darauf hindeuten, dass die Person die Grenzen ihres Handlungsspielraums nicht wirklich kennt. Wenn du dann aber deine passende Person gefunden hast, dann kann Trauma-sensibles Yoga wirklich unglaublich wertvoll für Körper und Geist sein.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Suche – bei Fragen kannst du dich einfach bei mir melden.