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Yoga bei Trauma – was wir wissen

Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, Dünnhäutigkeit und Ängste – kennst du das? Sie alle können Anzeichen von Traumata sein, denn leider mussten sehr viele von uns ein (oder mehrere) traumatisches Erlebnis in unserer Vergangenheit erfahren. Und Yoga kann bei einer traumatischen Erfahrung oder Belastung helfen – die Betonung ist auf KANN, denn juristisch gesehen darf in der Yogalehre oder Yogatherapie kein Heilversprechen gegeben werden, auch wenn es wahrscheinlich dabei helfen kann. Dafür kann es beispielsweise eine wunderbare Ergänzung einer Psychotherapie sein, wenn es von der richtigen Person unterrichtet wird.

Trauma ist ein ziemlich großer Begriff und umfasst unzählige Erfahrungen. Darum können wir nur die Erfahrung von Trauma auf Körper und Psyche vergleichen und nicht die Ereignisse selbst. In diesem Artikel möchte ich die Wirkung von Yoga insbesondere auf den Körper erläutern und stütze mich dabei auf die Erkenntnisse des Traumaforschers Bessel van der Kolk, der Yoga als therapeutische Maßnahme in seinem bekannten Werk „The Body Keeps The Score“ erläutert. Denn, wie du vielleicht weißt, bin ich im Trauma-sensiblen oder Trauma-informiertem Yoga ausgebildet.

Die Verbindung von Herz und Atem

In seinem ersten Punkt spricht Bessel van der Kolk (BVDK) von der sogenannten Herzschlagvariabilität (HSV). Das bedeutet, dass unser Herz nicht immer gleich schnell schlägt, sondern manchmal schneller und manchmal langsamer – beispielsweise schneller, wenn du Angst hast oder dich anstrengst und langsamer in einem entspannten Zustand. Das ist auch mit dem Atem verbunden, denn Herzschlag und Atem sind ein in sich geschlossener Kreis, weshalb du vielleicht auch unbewusst bei Stress mehr seufzt oder stöhnst – dein Körper hilft dir dabei, Stress abzubauen. HSV ist zudem ein guter Indikator, um zu messen, wie gut das autonome oder vegetative Nervensystem arbeitet, denn dein Atem wird von deinem vegetativen Nervensystem gesteuert.

Nicht-traumatisierte Personen haben einen ausgeglichenen Atem und dabei auch ein gut reguliertes Nervensystem.

Genauer genommen misst die HSV die Verbindung von den zwei Spielern des vegetativen Nervensystems, Sympathikus und Parasympathikus, von denen du vielleicht schon mal gehört hast. Die Einatmung ist dabei ein Maßstab des Sympathikus‘ und die Ausatmung des Parasympathikus‘. Nicht-traumatisierte Personen haben einen ausgeglichenen Atem und dabei auch ein gut reguliertes Nervensystem. Das bedeutet, dass sie adäquat auf neue Stressoren oder Trigger reagieren. Traumatisierte Personen, hingegen, reagieren oft überproportional auf Stressoren, was ein Schutzmechanismus ist. Es liegt an ihrer Vorgeschichte und ihren Erfahrungen.

Die gute Nachricht ist: Herzschlagvariabilität und damit die Anpassung des vegetativen Nervensystems kann geändert und reguliert werden – beispielsweise mit Trauma-sensiblem Yoga!

Trauma-sensibles Yoga

Das vegetative Nervensystem ist im Trauma-sensiblem Yoga zentral. Durch verschiedene Techniken, wie über die Augen, die Wahrnehmung oder eben auch den Atem, helfen wir im Yoga dem Körper und damit auch dem vegetativen Nervensystem dabei, sich zu regulieren – denn bei Stress oder Trauma sind wir „überreguliert“, das heißt, wir schlagen über die normalen Grenzen aus und sind beispielsweise zu erregt oder ganz apathisch.

Der Atem ist das unmittelbare Werkzeug für volle Präsenz.

Der Atem ist dabei ein unglaublich wichtiges Mittel. Er wird auch schon Jahrhunderte-lang eingesetzt, um den Körper zu unterstützen, beispielsweise bei Geburten. Oft reicht es für viele Personen schon, erstmal bewusst zu atmen um sich so wieder etwas ausgeglichener zu fühlen. Denn der Atem ist das unmittelbare Werkzeug für volle Präsenz. Wir atmen immer nur in der Gegenwart. Traumatisierte Menschen wandern bei einem Trigger beispielsweise oft zurück in die Vergangenheit und erleben möglicherweise die traumatische Erfahrung ein weiteres Mal. Da kann es helfen, sich auf den Atem, die Sinneswahrnehmungen aus der aktuellen Umgebung zu konzentrieren und den Körper achtsam zu berühren, um wieder mehr in der Gegenwart zu sein.

Einfach mal wahrnehmen

Yoga hilft zudem dabei, sich mit dem Körper anzufreunden. Dabei geht es nicht nur um das Körperbild, sondern viel allgemeiner um die körperlichen Reaktionen. Bei einer möglichen Gefahr reagieren wir als Erstes körperlich: beispielsweise erhöht sich der Herzschlag, die Muskeln spannen sich an und die Pupillen erweitern sich. Für viele Menschen wird das als lästig wahrgenommen, dabei ist es ein wichtiger Überlebensmechanismus.

Anstatt sich darüber zu ärgern, lernen wir im Trauma-sensiblen Yoga mit dem Körper einfach mal zu sein. Durch Körperwahrnehmung, ein zentraler Teil einer Yogapraxis, können wir wie von außen den Körper erfahren. Das könnte beispielsweise so aussehen: „Ich merke grade, dass sich mein Kiefer verkrampft und mein Herzschlag beschleunigt. Ich habe Angst vor der anstehenden Präsentation – das ist aber auch in Ordnung so. Ich versuche, ein paar Mal bewusst durch den Mund auszuatmen, den Kiefer zu lockern und bei mir zu bleiben.“ Und schon ist die Gefahr gar nicht mehr so groß und das Nervensystem wieder etwas reguliert.

Das sagt die Wissenschaft

In einer Studie von Bessel van der Kolk konnten Menschen nach einem 20-wöchigen Yogaprogramm ihre Emotionen besser regulieren, fühlten sich im Körper wohler und konnten ihre Entscheidungsfreiheit erfahren. Entscheidungsfreiheit ist für traumatisierte Menschen nämlich besonders wichtig, da ihnen diese in der Traumatisierung genommen wurde. Sobald sich Menschen in ihrem Körper sicher fühlen, können sie endlich anfangen, vergangene Erfahrung in Sprache zu übersetzen und nicht nur durch den Körper erfahren. Ein vermeintlich kleiner, aber eigentlich bahnbrechender Schritt in der Aufarbeitung von Traumata.

Die Harvard-Wissenschaftlerinnen Sara Lazar und Britta Hölzel haben zudem herausgefunden, dass Meditation, was ebenfalls Bestandteil von Trauma-sensiblem Yoga ist, eine positive Wirkung auf jene Gehirnareale hat, die für die physische Regulierung zuständig ist. Es ist also auch möglich, dass Meditation sich positiv auf den von Stress oder Trauma betroffenen Körper auswirken kann. Und für viele, die schon lange meditieren, ist das keine Überraschung, denn Meditation lehrt uns, erstmal zu beobachten und wahrzunehmen, ohne gleich zu reagieren.

Was bedeutet das für dich?

Vielleicht hast du dir den Artikel nur aus Interesse durchgelesen. Wahrscheinlich ist aber, dass du dich durch das Thema „Trauma“ persönlich angesprochen fühlst. Vielleicht hast du jetzt Interesse daran, deinen Körper und dein Nervensystem besser kennenzulernen. Trauma-sensibles Yoga kann dabei eine große Hilfe sein. Probier es doch mal aus. Ich hab hier ein paar Ressourcen von mir verlinkt. Aber vielleicht bin ich auch nicht die passende Lehrerin für dich – dann such doch, ob es bei dir in der Nähe gibt oder du online eine weitere Person findest, die ebenfalls Trauma-sensibel unterrichtet. Vielleicht willst du auch erstmal anfragen, zu meditieren.

Die Entscheidung liegt bei dir. Probier es doch mal aus.

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Ressourcen für dich

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Du kannst auch erstmal eine Meditation von mir ausprobieren oder die Trauma-informierte Yogapraxis, die sind allerdings auf Englisch.

Auf YouTube gibt es auch auf Deutsch und Englisch weitere Inhalte von mir, zum einen Yoga für Angststörung (auf Englisch).

Hier ein paar Ressourcen zum Text:

https://www.youtube.com/watch?v=bYvdhbhCxxM

https://kripalu.org/resources/how-yoga-helps-heal-trauma-qa-bessel-van-der-kolk

https://www.besselvanderkolk.com/blog/why-you-need-to-do-yoga-now-in-quarantine-how-trauma-victims-can-feel-better-in-these-traumatic-times

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2213158213000326

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3004979/

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