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Was ist intuitives Essen wirklich?

Ich sehe immer wieder, dass Menschen davon sprechen, dass sie sich, wie ich, intuitiv ernähren und am Ende aber etwas ganz anderes meinen. Da es sich beim intuitiven Essen um einen eher offenen Begriff, der auch nicht geschützt ist, handelt, möchte ich gerne meine Definition als zertifizierte Beraterin für intuitives Essen mit dir teilen.

Wenn du neu hier bist: Hi, Ich bin Doris, gewichtsneutrale Ernährungstherapeutin für intuitives Essen und traumasensibles Yogalehrerin. Willkommen auf deinem safer Space für Körperwohlbefinden.

Intuitives Essen nach Resch und Tribole

Ich bin im intuitiven Essen weitergebildet, aber was ist das genau? Dieser Ansatz bezieht sich auf ein Konzept von den Ernährungstherapeutinnen Elyse Resch und Evelyn Tribole. Sie haben in ihrer Arbeit gemerkt, dass die klassischen gewichtszentrierten Ansätze in der Ernährungstherapie einfach nicht greifen – oder zumindest nicht langfristig. Sie haben gemerkt, dass viele ihrer Klient*innen Schwierigkeiten hatten, auf ihren Körper zu hören und eine ganz schwierige Beziehung mit Essen hatten, und dass Diäten und Co. das nur noch verschlimmerten.

Darum haben sie sich einen Ansatz überlegt, der nicht nur den körperlichen, sondern auch den mentalen Aspekt mitbedenkt. Vielleicht kennst du das ja auch von dir: Sobald du sagst, du isst jetzt keine Schokolade oder Zucker mehr, hast du plötzlich noch mehr Lust darauf als davor. Oder, du kaufst extra nichts zum Naschen ein, und dann durchsuchst du irgendwann deine Wohnung verzweifelt auf der Suche nach etwas, dass deine Lust befriedigen kann.

Viele denken genau in solchen Situationen, dass sie das Problem sind. Das sie „süchtig“ sind, dass sie keine Disziplin haben und dass sie jetzt erst recht etwas verändern müssen. Was wir aber wissen, ist, dass Lebensmittel automatisch viel interessanter werden, wenn ich sie verbiete. Und, dass wir nicht dafür gemacht sind, unser Essverhalten ständig von einer Kontrolle zur nächsten zu bewegen und dabei ganz vergessen, dass Essen auch mehr ist als bloße Nährstoffaufnahme.

Essen wird moralisch

Da diese Verzerrung von Lebensmittel und ihre dogmatische Einordnung in „gut“ und „schlecht“ schon sehr früh anfängt, kommen viele gar nicht auf die Idee, dass wir ein strukturelles Problem haben könnten. Sehr viele meiner Klientinnen haben zudem schon mal mindestens eine Diät gemacht, viele sogar schon in der Kindheit. Das bedeutet, dass wir schon von früh an gelernt haben, nicht auf unseren Körper zu hören, den Hunger zu unterdrücken oder, um es zusammen zu fassen: wir haben früh gelernt, dass wir uns nicht auf unseren Körper verlassen können.

Dazu kommen Regeln rund um das Thema Ernährung. Iss dein Gemüse, dann gibt es Nachtisch. Du bekommst etwas Süßes, wenn du deine Hausaufgaben gemacht hast. Wenn du nicht brav bist, gibt es nachher keinen Kuchen. Damit lernen wir, dass Essen eng mit Moral verbunden ist, was viele meiner Klientinnen auch heute noch beschreiben: wir sind „brav“, wenn wir einen Salat gegessen haben und „schlimm“ oder „bad“, wenn wir eine Pizza gegessen haben. Wenn wir uns mal genau anschauen, was diese Worte abseits von Ernährung bedeuten, ist es schon ziemlich absurd, wie wir über Essen sprechen und denken, findest du nicht?

Die Fänge der Diätkultur

Kinder werden schon früh mit Essen bestraft oder belohnt. Dieses Muster wird auch oft im Erwachsenenalter fortgesetzt, nur sind es jetzt nicht (mehr) die Eltern, die mit dem moralischen Zeigefinger drohen, sondern wir selbst. Du warst heute nicht im Fitnessstudio, also gibt es keinen Nachtisch. Oder, genau umkehrt: weil du im Fitnessstudio warst, gibt es heute einen Brownie, weil, (Achtung!) „ich ihn mir verdient habe“. Diese Sätze sind so gängig, dass uns gar nicht auffallen, da wir so tief in einer Diätkultur stecken.

Genau diese Diätkultur wird auch im intuitiven Essen beschrieben: eine Welt um uns herum, die uns sagt, dass es nur eine gesunde Körperform gibt. Die uns vermittelt, dass unser menschlicher Wert in direktem Verhältnis zu unserem Körper steht. Und, die massiv Angst vor Zunahme und dicken Körpern schürt.

Daraus resultiert, dass viele Menschen, aber besonders Frauen, ihr Leben danach ausrichten, dünn zu werden oder zu bleiben. Sie wiegen ihr Essen ab, tracken Kalorien, lassen Mahlzeiten ausfallen und steigen jeden Morgen auf die Waage. Im Schrank warten Kleidungsstücke, in die sie schon seit 5 Jahren nicht mehr reinpassen, weil wir uns einfach nicht damit abfinden können, dass unser Körper sich verändert – zum Teil, weil er nie dafür geschaffen war, die aktuelle Form zu behalten.

Den Körper wieder annehmen

Zu verstehen, dass gesunde Körper in allen Größen und Formen kommen, ist ein wichtiger Punkt im intuitiven Essen – besonders für uns Fachkräfte, denn auch wir mussten uns erstmal aus dieser Diätkultur befreien. Dann können wir Menschen dabei begleiten, wie sie lernen, ihren eigenen Körper wieder anzunehmen. Wir sind nämlich so auf seine Form fokussiert, dass wir vergessen, ihn ausreichend zu versorgen.

Tatsächlich sind nämlich sehr viele meiner Klientinnen unterversorgt und essen zu wenig. Dann fühlen wir uns oft müde, körperlich und mental ausgelaugt und wundern uns dann, wenn der Körper abends eine große Mengen an Nahrung braucht – was verständlich ist, denn er lief den ganzen Tag auf Sparflamme. Sobald wir aber verstehen, dass gerade eine Unterversorgung dazu führt, dass wir mehr Essen zu uns nehmen, gar einen Essanfall haben, lernen wir, uns wieder besser um unseren Körper zu kümmern.

Dazu gehört auch, alte Kleidung auszusortieren, wenn sie schon länger nicht mehr passt oder die Waage zu verbannen. Intuitiv essen lernen heißt auch, sich (wieder) mit Bewegung anzufreunden und das zu tun, was Spaß macht. Das bedeutet, dass intuitives Essen einfach viel mehr ist, als ein bloßer Ernährungsansatz. Und auch wenn wir es mit der Zeit verlernt haben, können wir an diesen Punkt wieder zurückfinden.

Intuitiv essen lernen

Jeder Mensch ist anders und bringt anderer Erfahrungen und Bedürfnisse mit sich. Während die einen vielleicht vor allem ein Thema mit emotionalem Essen haben können, also dass sie das Gefühl haben, sie bewältigen ihre Emotionen vor alle mit Essen, haben wiederum andere Schwierigkeiten, ihre Körpersignale, wie Hunger und Sättigung zu spüren. 

Es gibt aber einen gemeinsamen Nenner für alle: Selbstmitgefühl und ein wertvoller Umgang mit sich selbst. Das bedeutet, dass ich nicht mehr so streng zu mir bin, wenn etwas nicht genau so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe. Dass ich verstehe, dass Erfahrungen in diesem Sinne auch wichtige Lernschleifen sein können und ich nicht in 2 Wochen Verhalten oder Denkmuster der letzten 30 Jahre umprogrammieren kann. 

Viele denken auch, dass intuitives Essen für sie bedeuten würde, sich nur von Pommes und Pizza zu ernähren, weil sie darauf ständig Lust haben und „ihre Intuition ihnen das sagen würde“. Das höre ich tatsächlich sehr oft. Und, ganz ehrlich? Mach es doch mal gerne und wir schauen, wie lange du es aushältst ;)! Aber Spaß beiseite, es kann tatsächlich sein, dass wir einen gewissen Nachholbedarf haben und vielleicht erstmal vermeintlich einseitig essen. Wenn wir aber schauen, wie wir uns davor ernährt haben, ist das auch nur verständlich.

Mit der Zeit wird das aber uninteressant und wir werden feinfühliger, was unsere Bedürfnisse angeht. Versteh mich nicht falsch, ich esse immer noch sehr gerne Pommes und Pizza, UND sie gehören für mich genauso zum Speiseplan wie Nudeln, Obst, Gemüse und andere, leckere Dinge. Der Unterschied ist, dass ich Essen in diesem Sinne nicht mehr moralisiere und gelernt habe, dass Ernährung mich in meinem Alltag unterstützt – und mein Alltag nicht nach dem Essen gerichtet werden muss.

Wenn du wieder zu einem befreiten und selbstbestimmten Essverhalten zurückfinden möchtest und dich mit gleichgesinnten Frauen auf den Weg dahin austauschen möchtest, dann ist mein Gruppencoaching genau das Richtige für dich. Bei Interesse kannst du gerne einen Termin für ein kostenfreies Erstgespräch mit mir ausmachen. Ich und meine Kollegin Karin begleiten dich sehr gerne auf deinem Weg dahin.

Intuitives Essen in der Praxis

Wie sieht denn intuitives Essen nun in der Praxis aus? Das kann natürlich auch sehr bunt sein, aber hier ein paar Beispiele:

Intuitives Essen bedeutet, sich auszuruhen, wenn der Körper erschöpft ist, auch wenn ich vielleicht laufen gehen wollte. Es bedeutet, sicher zu gehen, dass ich ausreichend leckeres Essen zu Hause habe und auch gerne mal Fertiggerichte, wenn es mal wirklich schnell gehen muss. Denn wir wissen, es ist immer wichtiger, überhaupt etwas zu essen als vermeintlich „perfekt“ zu essen.

Intuitiv zu essen heißt, zu akzeptieren, wenn ich auch mal über meinen bequemen Sättigungspunkt gegessen habe. Wir wissen, dass es Tage geben wird, an denen ich mich in meinem Körper nicht 100% wohl fühlen werden und das ist völlig in Ordnung. Intuitives Essen ist nämlich viel mehr eine Einstellung, als eine Ernährungsweise.

Damit es auch zu deiner Einstellung wird, setz dich doch gerne auf die Warteliste für das Gruppencoaching, um keine Termine und Neuigkeiten zu verpassen!

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