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Die 10 größten Mythen der Diätkultur

Hast du auch das Gefühl, dass du gar nicht mehr so richtig weißt, was du jetzt essen darfst und was nicht? Dass dir ständig neue Informationen auf Social Media eingespielt werden und die Zeitungen sich gefühlt täglich widersprechen? Dieses Gefühl kenne ich gut!

Was aber, wenn ich dir aber sage, dass genau hinter dieser Verwirrung ein System steckt, dass von deiner Unsicherheit profitiert: die Diätkultur.

Ich weiß, das klingt jetzt ganz schön schwurbelig. Allerdings versteckt sich hinter der Diätkultur ein Markt, der damit allein in Deutschland mehrere Millionen Euro macht – sei es, mit Abnehmprogrammen, Essensplänen oder anderen Anwendungen, die unser Essverhalten vermeintlich verbessern, tatsächlich aber oft eher gesundheitsschädliches Verhalten fördern.

Aber nicht mit uns! Deshalb möchte ich mit dir heute 10 gängige Diätmythen auflösen, damit du einen Weg gehen kannst, der dir endlich Frieden mit Körper und Essen ermöglicht. Los geht’s!

Abnehmen bedeutet, einfacher weniger Kalorien zu essen, als du verbrauchst

Das berüchtigte Kaloriendefizit – hast du davon auch schon mal gehört? Das suggeriert, dass Abnehmen eine Art Überschussrechnung ist. Hier gibt es viele Probleme. Zum einen ist es wirklich schwer zu errechnen, wie viele Kalorien wir genau aus der Nahrung zu uns nehmen und wie viel unser Körper wiederum verbraucht. Dementsprechend sind alle Apps und Tabellen, mit denen wir unsere Kalorienaufnahme errechnen, nur ein ungefährer Maßstab.

Zum anderen gibt der Körper aber ohnehin ungerne Fett ab. Für ihn ist es ein wichtiger Schutzpolster und besonders, wenn wir auf einmal weniger Energie, also Kalorien, zu uns nehmen, hält er daran fest, denn er vermutet eine Art Hungerperiode. Das ist in etwa so, wie wenn eine tatsächliche Nahrungsknappheit herrschen würde und wir dann auch sparsam mit unseren Vorräten umgehen würden.

Dazu kommt, dass jeder Körper sich oft an einem gewissen Punkt einpendelt, wo er sich gut fühlt und da ist jeder Körper anders. Manche sind mehrgewichtig, andere nicht. Wenn wir dann versuchen, den Körper an einem Punkt, an dem er sich gut fühlt, wo er ausreichend versorgt wird und alle Körperfunktionen gut ablaufen, zu verändern, kann sich das als durchaus schwierig erweisen. Das nennt sich die Set Point Weight Theorie.

Du hast einfach nicht genug Disziplin zum Abnehmen

Ich will hier gleich eines vorweg nehmen: Diäten sind zum Scheitern verurteilt. Trotzdem denken viele, dass sie einfach nicht genug Willenskraft, nicht genug Disziplin haben. Wenn es um Essen geht, dann vergessen sehr viele, dass der Kopf dabei eine wesentliche Rolle spielt und die Ernährungspsychologie hat bei Diäten so einiges mitzureden.

Diäten funktionieren in der Regel so, dass ich mir irgendwelche Lebensmittel verbiete oder mich auf einen Zeitraum beschränke beim Essen. Sobald ich das tue, mache ich automatisch Essen und bestimmte Lebensmittel interessanter, als sie es davor waren – diese klassische Verbotsmentalität kann man auch schon bei Kindern und Jugendliche beobachten.

Deshalb läuft der Diätkreislauf oft so ab, dass wir erst Erfolge sehen, aber nach 1-2 Wochen können wir dieses hohe Maß an Verzicht nicht mehr aufrecht erhalten und die Diät wird beendet – meistens in Form von einer Art Essanfall. Das fühlt sich oft wie ein Rückfall, wie Scheitern an, ist aber ein ganz normaler Kreislauf von Diäten und auch ein Schutzmechanismus des Körpers.

Mehrgewicht ist ungesund

Apropos Abnehmen: warum tun sich viele Menschen eigentlich diesen ganzen Kreislauf an? Weil die zentrale Botschaft der Diätkultur lautet: Dicksein ist ungesund und dicke Menschen müssen abnehmen. Ja, ich verwende hier bewusst das Wort „dick“, denn es ist kein inhärentes Schimpfwort sondern negativ konnotiert und es wird Zeit, dass wir es uns zurückholen!

Was aber viel mehr eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit spielt, ist unser Verhalten. Da können wir zum Beispiel sagen: Rauchen ist gesundheitsschädlich und Bewegung in der Regel gesundheitsförderlich. Wenn eine dünne Person raucht und eine dicke Person Sport macht, wer lebt dann in deinen Augen ein gesünderes Leben? Das Problem ist, dass diese Blickweise sehr stark in unseren Kopf eingebrannt wurde und es wird Zeit, uns ein für alle Mal davon zu verabschieden.

Nur dünne Körper sind gesund

Der Umkehrschluss von „dicke Körper sind ungesund“ ist ja auch: nur dünne Körper sind gesund. Ich bin mir aber sicher, dass du dünne Menschen kennst, die nicht in dieses Bild passen. Auch hier sorgt dieses gewichtszentrierte Denken dafür, dass wir nicht mehr darauf schauen, wie sich Menschen verhalten, sondern nur darauf, wie sie aussehen.

So fallen etwa dünne Menschen durch das Raster, wenn sich viele ernährungspolitischen Maßnahmen an eine gewisse Zielgruppe richten. Wie wäre es also, wenn wir einfach gewichtsneutral gesundheitsfördernde Maßnahmen vermitteln? Das wäre doch mal fortschrittlich und zeitgemäß!

Du bist für deine Gesundheit verantwortlich

Passend zu unserem Gewicht wird uns allgemein auch die Verantwortung für unsere Gesundheit zugeschrieben. Versteh mich bitte nicht falsch, natürlich ist da was dran – wie etwa beim Rauchen. Trotzdem ist diese Ansicht ziemlich elitär und auch ableistisch.

Ein großer Faktor, wenn es um unsere Gesundheit geht, ist Genetik – und auf die haben wir nun mal keinen Einfluss. Genauso gut ignoriert diese Aussage auch unsere Umgebung, wenn wir zum Beispiel auf die Preise im Supermarkt schauen oder allgemein die Arbeitsbedingungen. So arbeiten sich Menschen kaputt, weil das System sie ausbeutet, und dann kann ich am Ende sagen: Naja, da hast du halt nicht genug auf dich geachtet. Als ob! Gesundheit ist ein viel komplexeres Konstrukt und auch in vielerlei Hinsicht ein Privileg.

Zucker ist ungesund

Apropos Supermarkt: hattest du auch schon mal so Zuckeralternativen wie Birkenzucker, Kokosblütenzucker oder Agavendicksaft in der Hand? Das Marketing rund um Zucker ist wirklich richtig spannend, denn wo wir auch hinsehen, Zucker ist gefühlt an allem Schuld. Reizdarm? Es muss am Zucker liegen! Du bist müde? Liegt vermutlich am Blutzuckerspiegel.

Die Diätkultur zieht uns gerne Geld aus der Tasche und wenn du dir die oben genannten Zuckeralternativen anschaust, dann sind sie im Vergleich zum Haushaltszucker richtig, richtig teuer – dabei gibt es gar keine Notwendigkeit für sie. Dafür kann ich aber ein zuckerfreies Rezept gleich als richtig „gesund“ verkaufen und damit noch mehr Aufmerksamkeit generieren. Dabei geht es doch darum, einen entspannten Umgang mit Essen zu entwickeln. Zucker hat im Alltag auch einfach seinen Platz, denn eine Ernährungsweise, die Zucker kategorisch ausschließt, ist in meinen Augen viel problematischer als eine, die Zucker in den Speiseplan aufnimmt.

Eiweiß ist der wichtigste Nährstoff

Während die Diätkultur Zucker hasst, liebt sie wiederum Eiweiß – sie kann gar nicht genug davon bekommen. Sei es zum Abnehmen, zur Sättigung oder als schönes Begleitprodukt zum Sport, wir können uns vor lauter „High Protein“ gar nicht mehr retten. Eine Klientin kam mal mit einer App zu mir, laut der sie fast 200 g Eiweiß am Tag essen sollte. 200 Gramm! Das ist der Bedarf von Bodybuilder*innen und sicherlich nicht der einer Normalbevölkerung.

Versteh mich bitte nicht falsch, Eiweiß ist ein absolut wichtiger Nährstoff, aber seine Repräsentation ist auf jeden Fall überproportional. Ich sehe viel häufiger, dass viele Menschen zu wenig Kohlenhydrate essen und arbeite oft mit meinen Klient*innen daran, gute Eiweißquellen zu finden und dazu genügend Kohlenhydrate zu konsumieren.

Kohlenhydrate machen dick

Wenn ein Makronährstoff der absolute Buhmann ist, dann sind es wohl die Kohlenhydrate. Ich glaube, ich habe noch niemanden mit einer Diätvergangenheit kennengelernt, der noch nie low carb probiert hat. Dabei sind Kohlenhydrate tatsächlich unserer wichtigster Energielieferant – allein das Gehirn, die Leberzellen oder roten Blutkörperchen sind etwa gänzlich auf sie angewiesen. Und wenn ich mein Gehirn nicht gut versorge, dann können wir uns vorstellen, dass das Probleme geben kann.

Ich finde es verrückt, dass viele denken, ein leckeres Brot ist irgendein Dickmacher – die gibt es ohnehin nicht in der Ernährung! Natürlich ist es taktisch viel leichter, Menschen zu vermitteln, dass sie einfach nur Brot weglassen sollen, anstatt unseren Blick auf Gesundheit und Verhalten kritisch zu hinterfragen. Außerdem lässt sich damit einfach nicht so leicht Geld machen.

Verarbeitete Lebensmittel sind ungesund

Du hast bestimmt auch schon mal davon gehört, dass verarbeitete Lebensmittel wenig Nährstoffe haben, oder? Hier müssen wir natürlich auch mal kritisch reinschauen. Das Problem beginnt schon mal damit, dass es keine einheitliche Definition von verarbeiteten Lebensmitteln gibt. Meine ich damit Mehl, Proteinpulver oder die Tiefkühlpizza? Während viel die Pizza etwa als etwas schlechtes darstellen, hat sie im Verarbeitungsgrad Ähnlichkeiten mit einem Proteinriegel, der aber ganz anders wahrgenommen wird.

Das allein zeigt schon, dass dieser Blick auf Essen sehr elitär ist. Wir heißen teurere Produkte weniger gut, als günstige, die vielleicht aus unsere Perspektive „minderwertiger“ sind.

Essen muss verdient werden

Wir enden mit einem absoluten Klassiker, der mir immer wieder begegnet. Der Gedanke, dass wir uns Essen verdienen müssen, entspringt 1:1 der Leistungsgesellschaft. Ich höre dieses Satz „das haben wir uns jetzt aber verdient“ wirklich oft – zu oft. Egal ob beim Essen, beim oder nach dem Sport, dieser Satz suggeriert, dass wir erst etwas erreichen müssen, bevor wir uns eine Pause erlauben oder auch was Süßes.

Wo es Belohnung gibt, existiert natürlich auch Bestrafung. Wenn ich also nach dem Fitnessstudio einen Kuchen esse, dann würde ich ihn mir ja nicht erlauben, wenn ich keinen Sport gemacht habe. So beginnt ein Teufelskreis zwischen Körperfrust und Diätstrudel, der in der Regel in einem sehr angespannten Verhältnis zu Körper und Essen endet – aber das muss nicht sein!

Der Weg hinaus

Wenn du dich jetzt fragst: Ok, diese Mythen kenne ich jetzt, aber wie kann ich sie denn endgültig aus meinem Kopf bekommen? Dann hab ich da was für dich – denn du musst diesen Weg nicht alleine gehen! Mit meiner lieben Kollegin Karin leiten wir 2x im Jahr ein Gruppencoaching an, wo du dich mit gleichgesinnten Frauen austauschen kannst um die Diätmentalität abzulegen, mit Diätmythen kurzen Prozess zu machen und der Diätkultur ein für alle Mal den Rücken zu kehren.

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