Meine Arbeit dreht sich tagtäglich um das Thema „Körperakzeptanz“. Nicht nur, weil ich meinen Podcast so benannt habe, sondern auch, weil es in meiner Arbeit mit meinen Klient*innen fast immer darum geht. In diesem Beitrag möchte ich dir gerne vermitteln, warum Körperakzeptanz nicht bedeutet, dass du alles an dir lieben musst – sondern auch ganz anders gedeutet werden kann.
Falls wir uns noch nicht kennen. Hi, ich bin Doris, gewichtsneutrale Ernährungstherapeutin für intuitives Essen und traumasensible Yogalehrerin. Ich helfe Menschen dabei, endlich Frieden mit ihrem Körper und Essen zu schließen. Wie schön, dass du auf meinem Blog gelandet bist. Wenn du magst, kannst du hier noch mehr über mich erfahren.
Was bedeutet Körperakzeptanz überhaupt?
Bevor wir in die Tiefe gehen, lass uns erstmal darüber sprechen, was Körperakzeptanz überhaupt bedeutet. Ich sehe darin eine Einstellung, die uns dabei hilft, unseren Körper so anzunehmen, wie er ist. Der Fokus liegt dabei vielmehr auf der Wahrnehmung und der Funktion als auf dem Aussehen. Das setzt einen deutlichen Kontrast zu der aktuellen Bewegung, besonders auf Social Media, wo es vor allem darum geht, den Körper zu formen – egal, um welchen Preis.
Gerade jetzt, wo sich das Körperbild sehr stark in eine Richtung verändert, die ich als sehr kritisch sehe, hadern sehr viele Menschen mit ihrem Körper. Es kommen Zweifel auf, ob sie nicht vielleicht doch abnehmen sollten oder einen kosmetischen Eingriff auf sich nehmen. Genau deshalb ist es so wichtig, diesen Weg zu gehen, wo wir lernen, den Körper so an zu nehmen, wie er ist – denn, so klischeehaft es auch klingen mag, aber der Körper verändert sich nun mal und die Kunst dabei ist es, ihn unabhängig davon wert zu schätzen.
Welche Stufen von Körperakzeptanz gibt es?
Ich kann total verstehen, wenn Menschen sagen, dass Selbstliebe in diesem Kontext ein viel zu großes Ziel ist. Wie kann ich denn auch auf einmal etwas lieben, was ich über Jahre, gar Jahrzehnte, wirklich gehasst habe! Aber keine Sorge, Körperliebe ist auch gar nicht unbedingt der Punkt, zu dem wir wollen.
Körperrespekt
Fangen wir einmal mit der 1. Stufe an – Körperrespekt. Respekt kann ich nämlich auch für jemanden haben, den ich nicht unbedingt mag, wie eine Kollegin oder eine Vorgesetzte. Genauso ist es auch bei unserem Körper. Ich kann lernen, wahrzunehmen, was er alles für mich leistet. Etwa, dass er sich für mich erholt, mich trägt, leckeres Essen verdaut, etc. Das mag auf den ersten Blick recht banal klingen, ist es aber gar nicht – denn nichts davon ist selbstverständlich. Wenn du also das Gefühl hast, Körperakzeptanz ist für dich ein Schritt zu weit, dann probiere mal, deinem Körper etwas mehr Respekt entgegen zu bringen.
Körperwertschätzung
Wenn du das Gefühl hast, dein Körper ist nicht mehr so richtig dein ultimatives Feindbild, dann können wir dazu übergehen, ihm mehr Dankbarkeit und Wertschätzung entgegen zu bringen. Das kann etwa Dankbarkeit dafür sein, dass er dein Zuhause ist. Dankbarkeit dafür, dass er meine liebsten Menschen umarmt. Dass ich laufen, schwimmen, Radfahren kann. Dabei lenken wir den Blick immer mehr auf das Funktionale und tauschen mit der Zeit negative Gedanken aus. Am Anfang kann sich das sehr komisch oder fremd anfühlen und das ist auch OK so. Irgendwann wird es deutlich vertrauter.
Körperakzeptanz
Sobald es mir vertrauerter ist, die funktionale Fähigkeit meines Körpers wertzuschätzen, kann ich den Weg weiter in Richtung Körperakzeptanz gehen. Das bedeutet, ich lerne, auch sein Aussehen zu akzeptieren. Die Narben erzählen Geschichten, meine Falten von lustigen Momenten. Mein Bauch darf Raum einnehmen und ich weiß, dass mein Körper es verdient hat, bequeme Kleidung zu tragen. Wir befreien uns dabei immer mehr von den Einschränkungen der Diätkultur, die uns vorgeben möchte, wie ein „gesunder“ und „attraktiver“ Körper auszusehen hat.
(Selbstliebe)
Akzeptanz ist ein neutraler Begriff – ich nehme meinen Körper so hin, wie er ist. Ich feiere weder meinen dünnen Bauch noch meine fehlende Thigh Gap. Keines davon ist besser oder schlechter. Es gibt aber auch eine Bewegung, die sich Body Positivity nennt, bei der insbesondere die Dinge gefeiert werden, die gesellschaftlich nicht so erwünscht sind. Es ist eine politische Bewegung von marginalisierten Körpern, die heute die breite Gesellschaft erreicht hat.
Wenn du also eher dazu tendierst, deinen Körper zu feiern, dann mach das super gerne! Weil das für viele aber ein sehr großer Schritt, ein ZU großer Schritt ist, wollte ich dir aber aufzeigen, dass es nicht das Ziel sein muss.
Wie zeigt sich gelebte Körperakzeptanz im Alltag?
Wenn wir dann erstmal lernen, den Fokus immer mehr auf uns selbst zu lenken und nicht auf das, was wir tun SOLLTEN, merken wir erst, wie befreiend dieses Gefühl ist. Wir lernen etwa, zu verstehen, wie uns dieser Körperfrust in den letzten Jahren zurückgehalten hat.
Sei es, dass wir im Sommer mehr Haut oder den Bauch zeigen. Dass wir uns wieder ins Schwimmbad trauen oder zum Tanzkurs. Dass wir Diätwerkzeuge wie eine Körperwaage, Abnehm-Bücher oder irgendwelchen Shakes aus unserem Zuhause entfernen. Dass wir uns immer mehr mit dem Thema Körpervielfalt und Gewichtsneutralität befassen. Dass wir anerkennen, dass unser Körper Bewegung wie Erholung braucht. Gelebte Körperakzeptanz bedeutet, unsere Motivation oder Beweggründe zu hinterfragen und immer mehr zu uns selbst finden.
Welche Rolle spielt die Ernährung dabei?
Ernährung und Körper sind in unserem Kopf eng miteinander verknüpft. Das liegt vor allem daran, dass uns gesagt wird, dass wir mit Ernährung meinen Körper formen kann. Wenn ich abnehmen möchte, dann soll ich einfach weniger essen – als ob das auch so einfach wäre. Viele meiner Klient*innen haben eine Diätvergangenheit, die zum Teil sogar schon in der Kindheit anfängt. Das bedeutet, dass unsere Gedanken rund um Essen schon sehr lange körperlich konnotiert sind.
Wenn ich zum Beispiel einen schlechten Tag habe und mit meinem Körper unzufrieden bin (weil ich mal wieder zu lange auf Social Media unterwegs war oder gerade PMS habe und sowieso alles scheiße ist), tendiere ich vielleicht dazu, die Schokolade, die ich eigentlich gerne essen möchte, dann doch weg zu lassen. Dass ich mich bestrafe, wenn ich nicht, wie geplant, beim Sport war, und das Brot zum Salat weglasse. Es gibt auch Menschen, die mit dem Thema Ernährung keine Baustellen haben, aber aus meiner Erfahrung gibt es da auch nochmal einiges auf zu arbeiten.
Wie sieht Körperakzeptanz in der Praxis aus?
Dementsprechend bedeutet Körperakzeptanz in der Praxis auch nochmal, dass ich meinen Körper ausreichend mit Nahrung versorge. Dass ich Dinge zu mir nehme, auf die ich auch Lust habe. Mal bedeutet das, Schokolade und mal ein leckerer Salat. Wir erkennen in diesem Kontext an, dass Essen mehr ist als bloße Nährstoffaufnahme und ich kein schlechterer Mensch bin, wenn ich Pizza satt Salat esse.
Körperakzeptanz heißt auch, Spaß an der Bewegung zu finden und keinen Sport zu machen, um den Körper zu formen. Sondern vielmehr laufen zu gehen, weil es den Kopf frei macht. Zum Yoga zu gehen, weil du dich danach so ausgeglichen fühlst. Oder zu tanzen, ohne dir Gedanken zu machen, wie du dabei aussieht. Es bedeutet auch, dich von unbequemer Kleidung zu befreien und deinem Körper den Raum zu geben, den er zum Atmen und Bewegen braucht.
In anderen Worten: Körperakzeptanz bedeutet, in absoluter Freiheit zu leben und dir nicht mehr von außen sagen zu lassen, wie du zu sein hast. Diese wiedergewonnen Freiheit lässt sich gar nicht beschreiben, sondern muss erlebt werden. Wenn ich dich auf diesem Weg begleiten soll, dann mach doch gerne einen Termin zu einem kostenfreien Erstgespräch aus.
Was hilft bei einem negativen Körperbild?
Vielleicht denkst du dir jetzt: das alles ist ja gut und schön, aber wie komme ich denn da jetzt hin? Keine Sorge, ich hab da was für dich. Wenn wir mit einem negativen Körperbild kämpfen oder auch mal schlechte Körpertage haben (und die habe ich auch noch), ist es sehr hilfreich, das für sich einzuordnen. Zu verstehen, dass wir nicht unsere Gedanken sind. Ich habe dazu ein Journaling erstellt, dass du gerne nutzen kannst.