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Vegan oder plant-based – was ist der Unterschied?

Ich gehe mal davon aus, dass dir der Begriff „vegan“ schon mindestens einmal begegnet ist. Vielleicht hast du im selben Kontext auch schon mal von „plant-based“ oder der eingedeutschten Variante, „Pflanzen-basiert“, gehört? Auch wenn die beiden oft wie Synonyme verwendet werden, beschreiben sie doch unterschiedliche Lebens- und Ernährungsweisen, die ich dir jetzt vorstellen möchte.

Vegane Ernährung

Fangen wir mit dem etwas bekannteren Begriff der beiden an: vegan. Eine vegane Ernährung ist eine rein pflanzliche Ernährungsweise und schließt damit alle tierischen Produkte aus der Ernährung aus. Neben Fleisch und Fisch wird auch auf Produkte wie Milch, Butter, Käse, Eier und Honig verzichtet.

Tatsächlich ist der Begriff im deutschen Raum gar nicht so alt und wurde auch nur integriert, weil sich unsere Sprache verändert hat. In der ernährungswissenschaftlichen Fachliteratur heißt vegan nämlich eigentlich (streng) vegetarisch. Doch mit „vegetarisch“ meinen wir heute wiederum eine Ernährungsweise, die tierische Produkte wie Milch, Käse und Eier inkludiert. Eigentlich beschreibt diese Kostform jedoch den Ovo-Lakto-Vegetarismus. Menschen, die keine Milchprodukte, aber Eier essen, ernähren sich ovo-vegetarisch und jene, die keine Eier zu sich nehmen, aber Milchprodukte konsumieren, sind lakto-vegetarisch.

Doch mit der Zunahme der sich vegan-ernährenden Menschen und, da sich die Gruppe der Vegetarier*innen nicht häufig so aufspaltet, sind wir umgangssprachlich dazu übergegangen, vegetarisch als vegan zu bezeichnen und das Ovo-Lakto-Präfix bei vegetarisch wegzunehmen. Außerdem wolle sich die vegane Bewegung damit sprachlich und inhaltlich auch von der vegetarischen abspalten. Klingt erstmal etwas umständlich, soll dir aber nur eine Erklärung sein, wenn du mal in Fachliteratur über diese Begriffe stolpern solltest.

Die vegane Ernährungsweise geht aber über den Tellerrand hinaus, denn Veganer*innen verzichten auch in anderer Hinsicht auf tierische Produkte. Das umfasst beispielsweise Lederwaren, Wollprodukte, Pelz oder Seide. Damit sprechen wir eigentlich bei Veganismus weniger von einer Ernährung, sondern vielmehr von einer Lebensweise und Philosophie.

Pflanzen-basiertes Essen

Nun kommen wir zu dem anderen Begriff, plant-based oder Pflanzen-basiert. Hier befinden wir uns ein wenig in einer Grauzone, weil, wie das Wort schon vermuten lässt, geht es hier um eine Grundlage, aber nicht notwendigerweise um den Ausschluss von etwas. Viele Menschen verwenden diesen Begriff trotzdem gleich wie das Wort „vegan“. Er scheint auch beliebt zu sein, weil wir damit vielleicht nicht genauso viel Verzicht assoziieren wie bei einer veganen Ernährung.

Trotzdem bleibt unklar, ob eine Pflanzen-basierte Ernährung rein pflanzlich ist oder nicht. Theoretisch wäre ein Salat mit etwas tierischem Feta, der sonst nur aus pflanzlichen Zutaten besteht, plant-based. Aber dasselbe würde gelten, wenn der tierische Feta durch einen pflanzlichen ersetzt werden würde. Dann würden manche vielleicht sagen 100% plant-based. Verwirrt? Ja, ich ehrlich gesagt auch manchmal.

Der Begriff ist in meinen Augen viel offener und weniger „reguliert“. Im Sommer habe ich mal ein Eis gegessen, auf dem „plant-based“ stand. Die Zutaten waren vegan, aber bei Lebensmittel finde ich es schwierig, mir mit diesem Begriff ein Bild zu machen. Als Veganerin frage ich deshalb bei Restaurants nach, ob sie damit komplett vegan meinen. In 99% der Fälle ist das tatsächlich so.

Ethik vs. Gesundheit

Wenn die beiden Begriffe beim Essen beide „rein pflanzlich“ meinen, warum gibt es dann überhaupt einen Unterschied? Der liegt zum einen in der Intention. Wie schon besprochen ist die vegane Lebensweise eine Philosophie, die keine tierische Produkte konsumiert oder kauft. Würde ich aber plant-based leben, kann meine Ernährung zwar rein pflanzlich sein, aber ich könnte zum Beispiel immer noch Lederschuhe und Wollpullover kaufen.

Bei plant-based steht auch meist die Gesundheit im Vordergrund. Außerdem spiegelt eine Ernährungsweise, die vorwiegend auf Pflanzen basiert, auch die Empfehlungen der großen Ernährungsgesellschaften wider. Denn obwohl die Anzahl der vegan-lebenden Menschen steigt, sehen wir gleichzeitig die Zunahme des Konsums tierischer Produkte, besonders in Ländern des globalen Nordens. Und wir wissen mittlerweile, dass das viele gesundheitliche Nachteile mit sich bringen kann. Damit ist eine Ernährungsweise, die vor allem Pflanzen umfasst, keine Ethik oder Philosophie, sondern in diesem Falle eine gesundheitliche Empfehlung.

Menschen, die sich Pflanzen-basiert ernähren, essen meistens zu 99% rein pflanzlich, machen aber vielleicht mal für Omas Kuchen oder bei einem Geburtstag eine Ausnahme. Ich glaube, dass auch deshalb viele diesen Begriff präferieren, weil er ein kleines Hintertürchen offenhält. Denn ich meine, dass viele weniger Schwierigkeiten damit hätten, sich 95% pflanzlich zu ernähren als 100%. So war es ja auch historisch sehr lange der Fall, denn tierische Produkte waren eher ein Luxus, gerade Fleisch. Ich denke deshalb auch, dass plant-based die Ernährung der Zukunft sein wird. Irgendetwas müssen wir in jedem Fall ändern, wenn wir noch lange auf diesem Planeten leben wollen.

Darum sind die Begriffe wichtig

Vielleicht fragst du dich jetzt, warum es überhaupt diese Begriffe gibt und wieso die Unterscheidung so wichtig ist? Wie so oft, wenn eine Bewegung wächst, kommt es zu Spaltungen. Das sehen wir zum Beispiel auch in der feministischen Bewegung. Eigentlich reicht heutzutage nicht mehr aus, zu sagen, man sein Feminist*in, weil es so viele verschiedene Ansichten und Spaltungen gibt. Vegan-lebenden Menschen, wie mir, ist es zum Beispiel wichtig, dass die Ernährungsweise über den Tellerrand hinausgeht und das auch begrifflich damit assoziiert wird.

Begriffe unterliegen natürlich immer einer subjektiven Interpretation. Und auch wenn es grade von der konservativen Seite sehr oft vorgeworfen wird, gibt es keine Sprach-Polizei. Es wäre natürlich einfacher für viele, wenn wir Begriffe wie „vegan“ und „plant-based“ auf die gleiche Art und Weise verwenden und interpretieren würden, aber das ist wahrscheinlich utopisch. Ich finde es einfach lästig, wenn Menschen überrascht sind, dass ich als Veganer*in nicht mal eine Ausnahme machen möchte. Bei einer Ethik gibt es für mich keine Ausnahme. Ich mache auch keine Ausnahme und bin mal eben rassistisch oder sexistisch (nicht bewusst, denn auch ich mache Fehler und lerne daraus).

Wir dürfen nicht vergessen, dass die meisten Menschen, die sich vegan ernähren, sehr viel Mitgefühl für Tiere haben. Sie wissen, was in den Tierfabriken passiert. Sie haben sich die Videos angesehen, bei denen es den meisten die Lust auf Fleisch vergehen würde. Sie werden oft beim Essen konfrontiert und beleidigt – ohne selbst auf Angriff zu gehen (glaub mir, ich spreche aus Erfahrung). Ich denke, es ist verständlich, warum es vielen von uns wichtig ist, nicht auf eine reine Ernährungsform reduziert zu werden. Aber ich kann da natürlich vor allem für mich und einen Teil der veganen Bewegung sprechen.

Zusammenfassung

Die vegane Lebensweise umfasst eine rein-pflanzliche Ernährung, die nicht nur den Konsum tierischer Produkte ausschließt, sondern auch den Kauf von Leder und anderen tierischen Fasern. Plant-based hingegen ist ein eher offener Begriff, der zwar oft als Synonym für „vegan“ verwendet wird, aber genauso gut tierische Lebensmittel in Maßen inkludieren kann.

Besonders unterscheiden sich die beiden Begriffe aber in ihrer Intention. Während Veganer*innen sich primär aus ethischen und damit tierrechtlichen Gründen für diese Lebensveränderung entscheiden, steht plant-based eher im Sinne einer Gesundheitsförderung. Meiner Meinung nach werden wir eine Zunahme in der Pflanzen-basierten Ernährung sehen und dann werden hoffentlich viel mehr Menschen feststellen, dass rein pflanzlich kein Verzicht bedeutet.

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