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Digitaler Minimalismus – funktioniert das wirklich?

Digitaler Minimalismus steht für einen bewussten Medienkonsum. Diesem Thema hat sich der Autor Cal Newport in seinem 2019 erschienen Bestseller gewidmet und den Begriff maßgeblich geprägt. Ich fand dieses Buch enorm bereichernd und möchte seinen Inhalt und meine persönliche Erfahrung mit dir teilen.

Was ist digitaler Minimalismus?

Du hast bestimmt schon davon gehört, wie schädlich die sozialen Netzwerke, Streaming-Dienste und die ständige Erreichbarkeit für unsere psychische Gesundheit sind. Doch wie kann ein Leben im 21. Jahrhundert ohne Technologie aussehen? Sind wir mal ehrlich, wir befinden uns nun mal im digitalen Zeitalter und da führt auch kein Weg daran vorbei. Irgendwann wird alles digital sein und unser Leben wird sich mehr und mehr Richtung Handy und Laptop verschieben.

Doch wie finden wir in dieser digitalen Welt einen bewussten Umgang mit all dieser Technologie? Hier kommt digitaler Minimalismus ins Spiel. Der Autor, Cal Newport, ist sogar Dozent für Informatik und kein themenfremder Moralapostel, wie man vielleicht meinen könnte. Aber genau deshalb appelliert Newport für einen bewussten Umgang mit Technologie. Sein minimalistischer Ansatz hilft dabei, digitale Geräte nur so viel wie notwendig zu nutzen. Und das ist der genaue Punkt, den viele Menschen missverstehen. Denn, wenn du deinen eigenen Umgang mit Handy und Co. reflektierst – wie viel davon ist notwendig und wie viel ist Gewohnheit oder gar eine Form von Zwang oder „Sucht“?

Stell dir mal vor, wie viel Zeit du sparen könntest, wenn du nur das Nötigste mit dem Handy erledigen würdest? Vielleicht eine ganze Menge. Darum eröffnet uns digitaler Minimalismus vielmehr die Tore zu einem selbstbestimmteren Leben mit mehr Achtsamkeit. Wenn du dir also vorstellst, du nutzt Technologie nur für das, was wirklich wichtig ist, zum Beispiel für Arbeit, Buchungen, Termine etc. und für sonst nichts – das ist im Prinzip digitaler Minimalismus. Aber Technologie hat doch so viele Vorteile, warum sollten wir bewusst darauf verzichten?

Der Einfluss von Technologie auf unser Leben

Dir ist sicher bewusst, dass sich die vermehrte Nutzung von Handy negativ auf unsere Aufmerksamkeit und auch unsere sozialen Interaktionen ausgewirkt hat. Wenige Menschen in meinem Alter können sich beispielsweise auf einen Film konzentrieren ohne dabei dabei ihr Handy rauszuholen. Das ist eigentlich ganz schön traurig. Und, glaub mir, ich zeige hier nicht mit Fingern auf Menschen, denn auch ich habe damit meine Schwierigkeiten. Gerade deshalb finde ich digitalen Minimalismus so wichtig! Außerdem ist Multitasking leider genau das Gegenteil von Achtsamkeit und auch das hat seine Nachteile.

Technologie macht uns zu einem gewissen Grad ungeduldig. Wusstest du, dass die meisten Menschen eine Website nicht aufsuchen, wenn sie mehr als 3-4 Sekunden Ladezeit benötigt? Wenn du aber überlegst, wie lange du hingegen Schlange am Schalter stehst, um dir ein Ticket zu kaufen, ist das eine ganz schön große Diskrepanz. Auf Social Media werden die Inhalte auch immer kürzer, denn nach 20 oder 30 Sekunden wird uns langweilig und wir wollen wieder neu stimuliert werden. Manchmal frage ich mich schon, wo das hinführen wird.

Zudem verschwimmt im digitalen Zeitalter die Grenze zwischen Privaten und Beruflichen für viele Arbeitnehmer*innen. Für mich als Selbstständige ist diese Grenze ohnehin relativ flexibel, aber wenn ich sehe, wie viele Angestellte auch in ihrer Freizeit oder gar im Urlaub ihre beruflichen Mails abrufen, macht mich das traurig und ein wenig wütend (weil ich finde, dass die Arbeitswelt und ihre Erwartungen ganz schön toxisch sein können). Vor einigen Jahrzehnten war das gar nicht möglich, da wir keinen Zugriff auf die Mails hatten.

Genauso sind wir mit den Handys immer überreicher. Vielleicht kannst du dich noch an Zeiten erinnern, wo es ein Haustelefon gab. Ich bin mir sicher, dass wir auch wissen, wie nervig das war, aber rückblickend war es auch ganz schön befreiend. Wenn wir nicht zu Hause waren, waren wir auch nicht zu erreichen – Punkt.

Doch wir befinden uns nun mal in einer digitalen Welt. Umso wichtiger ist es daher, einen bewussten und achtsamen Umgang mit Technologie zu entwickeln. Auf diesen Weg habe ich mich vor einigen Jahren auch schon gemacht.

Mein Weg im digitalen Minimalismus

Vielleicht denkst du dir bis jetzt, dass ich ganz schön weltfremd und altmodisch wirke – und ich kann dich verstehen. Nur weil ich diese Perspektive auf Technologie und Co. habe, heißt das noch lange nicht, dass ich alles umsetze, was ich kritisiere – auch wenn ich das gerne würde. Aber lass uns erstmal zum Anfang gehen.

In seinem Buch erklärt Cal Newport die Vor- und Nachteile einer digitalen Welt. Er leitet auch durch ein digitales Fasten, was dann symbolisch den Neuanfang für ein Leben mit den Werten des digitalen Minimalismus markiert. Ich habe dieses Fasten zwar nicht gemacht, aber trotzdem einige Dinge in meinem Leben verändert – und manche davon noch nachhaltig bis heute. Mein Vorteil war, dass mein Partner, mit dem ich zusammenlebe, das Buch ebenfalls gelesen hat, und wir so gemeinsam Veränderungen bewirken konnten.

So haben wir beispielsweise mehr Spieleabende oder analoge Dates geplant. Was früher ein Serienabend war, wurde zu einem Abend mit Brettspielen oder ein Spaziergang. Manchmal haben wir gemeinsam vor dem Laptop gegessen und eine Serie angesehen. Seit Herbst 2023 habe ich strikt damit aufgehört, am Laptop zu essen – und auch wenn es mir anfangs richtig schwerfiel, ist es für mich mittlerweile nicht mehr vorstellbar.

Dann habe ich mein Handy aufgeräumt, denn Newport empfiehlt, alles, was wir am Laptop machen können, auch dort zu tun, denn Handys haben einen höheren „Spaß-Nutzen“ als Laptops. Anschließend habe ich App-Limitierungen gesetzt, die ich allerdings leicht mit einem Klick ignorieren kann. Dann wiederum habe ich mir eine App gekauft, mit der ich alle 5 Minuten eine kleine Erinnerung bekomme, wenn ich auf diversen Apps unterwegs bin, denn dort verfliegt die Zeit einfach. Doch das sorgt vor allem für Bewusstheit und nicht so sehr für Verhaltensänderung.

Dann habe ich die App „Freedom“ installiert. Diese blockiert Apps auf deinem Handy und Laptop und du kannst nichts dagegen tun. Abends gibt es bei mir ab 21 Uhr eine Social Media Sperre und auch tagsüber habe ich nur ein kleines Zeitfenster, um dort unterwegs zu sein. Der Vorteil ist, dass ich automatisch für jeden Tag meine Limits setzen kann und nicht darüber nachdenken muss. Das hat mich wirklich oft davor geschützt, auf der Couch in den sozialen Netzwerken zu versacken.

Was mache ich stattdessen mit dieser Zeit? Lesen zum Beispiel. Seitdem der digitale Minimalismus sich den Weg in mein Leben gebahnt hat, konsumiere ich jährlich über 50 Bücher (ein Drittel davon sind in etwa Hörbücher, daher das Wort „konsumieren“). Was möchtest du mit deiner gewonnenen Zeit anfangen? Digitaler Minimalismus macht es möglich! Schreib es mir gerne in die Kommentare.

5 Tipps für einen bewussteren Umgang mit Handy & Co

Wenn du jetzt interessiert bist, auch deine digitalen Routinen und Gewohnheiten mehr in Richtung Achtsamkeit zu verändern, dann habe ich hier ein paar einfache und alltägliche Tipps für dich:

  1. Verlasse ohne dein Handy das Haus. Sei es, ob du kurz einkaufen gehst oder eine Runde um den Block drehst. Anfangs ist das vielleicht etwas befremdlich, doch dann wird es irgendwann richtig befreiend.
  2. Wenn du einen Schritt weitergehen möchtest, dann mach einen analogen Spaziergang ohne Musik, Hörbuch oder zu telefonieren. Du kannst deinen Gedanken zuhören und dein Gehirn „lüften“. Grade bei kreativen Blockaden finde ich das unglaublich hilfreich.
  3. Lass dein Handy in sozialen Situationen in deiner Tasche. Handys, die auf dem Tisch liegen, lenken ab und verleihen dem Treffen eine hektische und unachtsame Note.
  4. Räum dein Handy auf und lösche unnötige Apps oder jene, die besonders viel Zeit fressen. Instagram und Co. kannst du auch am Laptop nutzen, nur da hängst du wahrscheinlich nicht genauso lange dort rum.
  5. Überlege dir, wie du digitale Events analoger gestalten kannst. Wie wäre es, sich bei deinem wöchentlichen Call mit deinen Kolleg*innen zu einem individuellen Spaziergang zu verabreden. Oder vielleicht willst du statt einer Serie mal wieder ein Spiel mit deinen Freund*innen spielen?

Diese Tipps wirklich vielleicht klein und unwichtig, aber wenn du dir überlegst, wie viel unnötige digitale Zeitverschwendung du dir dabei ersparst, wirken sie bald nicht mehr so klein. Digitaler Minimalismus ist auch kein perfektes System, sondern vielmehr eine Anleitung zu einem Leben mit mehr Achtsamkeit und Technologie.

Zusammenfassung

Das digitale Zeitalter ist omnipräsent und wir verbringen so viel Zeit wie noch nie am Handy und Co. Sich diesen Neuerungen komplett zu entziehen, ist nicht zeitgemäß und auch nicht nachhaltig. Ein bewusster Umgang muss her – und er heißt digitaler Minimalismus. Er hilft uns dabei, unsere digitalen Gewohnheiten und Routinen zu überdenken und für einen achtsamen Umgang mit Technologie zu sorgen.

Der erste Schritt ist, zu reflektieren, wofür wir Handy und Co. wirklich benötigen und diese dann auf das Notwendigste zu beschränken. Auch wenn das auf den ersten Blick wie eine große Einschränkung wirkt, bekommst du auf der anderen Seite Zeit zurückgeschenkt. Und Zeit ist eine so unfassbar wichtige Ressource – denk doch mal, wie oft du sagst: „ich hab keine Zeit für XY“. Wie wäre es, diese wiederzugewinnen? Digitaler Minimalismus macht’s möglich!

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