Vielleicht hast du schon mal von dem Begriff „inneres Kind“ gehört. Dabei geht es um einen Teil in uns, der etwas Kindliches repräsentiert. Oft sammeln sich hier auch negative Erfahrungen oder Traumata aus der Kindheit, die auch im Erwachsenenalter zum Vorschein kommen können. Beispielsweise warst du als Kind oft alleine und kämpfst auch als erwachsene Person immer noch mit Einsamkeit. Eine Möglichkeit, diese Thematik zu lösen, ist, sich mit dem inneren Kind auseinanderzusetzen. Dafür habe ich 5 einfache und alltägliche Tipps für dich gesammelt.
Vorher möchte ich aber einen kleinen Disclaimer aussprechen, denn das finde ich grade bei Inhalten dieser Art sehr wichtig. Zum einen kann diese Arbeit keine psychotherapeutische Betreuung ersetzen, sie aber gut ergänzen – genauso wie Yoga und Achtsamkeit. Darüber hinaus bin ich keine Psychotherapeutin – mir ist Transparenz einfach sehr wichtig, besonders, was solche Themen angeht. Ich habe mich selbst damit aber schon viel beschäftigt und hoffe, dass ich dich mit meinen Ideen etwas inspirieren kann.
Was ist das innere Kind?
Das innere Kind ist ein innerer Teil von uns, genauso wie etwa der innere Kritiker oder die innere Kritikerin. Es ist eine Möglichkeit, unser Innenleben zu betrachten und es so auch zu personifizieren. Manchmal kann das helfen, besser mit einem Teil von uns zu arbeiten, weil wir ihm dadurch ein Gesicht geben. Das innere Kind ist ein Konglomerat unser kindlichen Erfahrungen, Erinnerungen und Gefühle. Ihm gegenübergestellt ist zum Beispiel das Erwachsenen-Ich, sodass wir auch mit uns selbst in eine Form von Eltern-Kind-Beziehung gehen können. Zum Beispiel nimmst du eine Fürsorgerolle ein, wenn du dich als Erwachsene*r um dein inneres Kind kümmerst.
Das innere Kind hilft auch dabei, für Laien eine psychologische Sprache etwas zu vereinfachen. Gerade in der Tiefenpsychologie, wo viel über die Kindheit gesprochen wird, kann das hilfreich sein. Das innere Kind kann auch dabei helfen, mehr Selbstfürsorge zu etablieren und gar für mehr Selbstliebe zu sorgen, denn auch wenn wir uns um dieses „externe“ Kind kümmern, sorgen wir uns um uns selbst. Für manche ist es aber einfacher, sich um dieses Kind zu kümmern, also um die Erwachsenen-Version unserer selbst.
Wie dich dein inneres Kind im Alltag beeinflusst
Auch wenn du dich mit dieser Thematik noch gar nicht befasst hast, kann es trotzdem sein, dass sie dich in deinem Alltag beeinflusst. Beispielsweise können Trigger aus der Kindheit Gefühle hervorrufen, die du als Erwachsene*r wahrnimmst, aber nicht wirklich zuordnen kannst. Das bedeutet natürlich nicht, dass alles auf das innere Kind zurückzuführen ist, aber unsere Kindheit ist bekanntlich eine sehr prägende Zeit.
Wie du vielleicht weißt, bin ich Ernährungstherapeutin für intuitives Essen. Wenn wir uns in diesem Setting mit Essgewohnheiten befassen, wird auch immer auf die Kindheit geschaut. Wurde Essen rationiert? Gab es immer genügend zu essen? Gab es Dessert nur, wenn das Gemüse aufgegessen wurde? Das sind alles Indikatoren dafür, dass auch im Erwachsenenalter noch alte Glaubenssätze aus der damaligen Zeit hängen geblieben sein können. Wenn du dich davon angesprochen gefühlt hat, dann könntest du dich vielleicht für meinen Gruppenkurs „Intuitives Essen“ interessieren.
Apropos Glaubenssätze, auch die können sich in der Kindheit schon festsetzen. Vielleicht hast du heute noch das Gefühl, dass du an allem Schuld bist, weil dir das vielleicht von deinen Eltern oder deiner Vertrauensperson vermittelt wurde. Oder du fühlst dich nicht liebenswert, weil dir das als Kind vielleicht nicht genug mitgegeben wurde. Das bedeutet nicht, dass unsere Erziehungspersonen an allem Schuld sind, sie hatten bestimmt auch ihre eigenen Themen, mit denen sie zu kämpfen hatten. Nichtsdestotrotz kann dich all das noch heute prägen. Darum schauen wir uns jetzt an, wie wir unser inneres Kind etwas heilen können.
1. Schaff Zeit für dich
Zeit für dich, für Selbstfürsorge und Achtsamkeit, ist irgendwie auch der Grundstein für die Seele und unsere psychische Gesundheit. Damit schaffst du dir eine Basis für den Kontakt zu dir selbst und das vereinfacht, dass du dein Innenleben und damit auch dein inneres Kind leichter wahrnimmst. Zeit für dich kann bedeuten, dass du auch einfach mal abends nichts machst und zu Hause bleibst. Denn auch hier sind wir mit dem inneren Kind verbunden, denn auch es hat mal (oder auch öfter) keine Lust, irgendwas tun zu müssen.
Eine etwas konkretere Praxis, die Zeit für dich schafft, ist Yoga und Achtsamkeit, die mir natürlich besonders am Herzen liegen. Hier sind es die kleinen Gewohnheiten, die oft große Wirkungen haben, wie zum Beispiel deine kurzen Achtsamkeitsmomente im Alltag oder auch deine Meditation zum Beginn des Tages. Als Kinder fiel es uns oft noch leichter, Momente für uns selbst zu schaffen, aber auch heute können wir das etablieren. Wenn du nach Inspiration suchst, dann schau doch gerne bei meinem YouTube Kanal vorbei.
2. Erlaube dir Sachen, die verboten waren
Eine Sache, die sich fast alle Kinder wünschen, aber nur begrenzt haben, ist Autonomie. Jetzt bist du endlich erwachsen und kannst deine eigenen Entscheidungen treffen. Gab es etwas, das du als Kind nie tun durftest, dir aber jetzt die Freiheit dafür nehmen kannst? Zum Beispiel im Bett frühstücken oder einfach mal ohne Teller einen Keks essen und fröhlich krümeln? Manchmal kann es sein, dass wir mit diesen (strengen) Regeln brechen müssen, um uns ein Stück unserer Autonomie zurückzuholen.
Das alles ist natürlich abhängig von deiner Kindheit. Wenn du viele Freiheiten hattest, kann es schwer sein, hier etwas zu finden. Genauso gut kann es auch nicht leicht sein, aus sehr strengen Strukturen auszubrechen, weil sie manchmal sehr in uns verfestigt sind. Ich rate dir an dieser Stelle zu überlegen, was auf dich zutrifft und welche Kleinigkeiten du dir hier erlauben kannst, denn dein inneres Kind hat auch ein Bedürfnis nach Autonomie.
3. Schwelge in Nostalgie
Wenn du deine Kindheit als glücklich wahrgenommen hast, kann es schön sein, in alten Bilderbüchern zu schmökern und dein (inneres) Kind zu beobachten. Bei manchen kann das aber auch ganz schön schmerzhaft sein, deshalb musst du entscheiden, ob du dich dafür sicher genug fühlst. Selbstfürsorge bedeutet an dieser Stelle auch, auf deine Grenzen zu achten und sie zu ehren. Vielleicht hast du auch ein Foto von dir, wo du so richtig glücklich bist, was du dir auf deinen Schreibtisch stellen oder an den Spiegel hängen kannst.
Was ich besonders gerne mag, ist kulinarisch nostalgisch zu werden. Gerade auch für intuitives Essen kann das eine schöne Übung sein. Das bedeutet, du bereitest Sachen zu, die dir in deiner Kindheit besonders gut geschmeckt haben. Für mich illustriert ein heißer Kakao dieses Bedürfnis. Nicht nur wärmt mich dieses Getränk von innen, sondern ich fühle mich auch immer wie ein Kind, dessen Bedürfnis grade erfüllt wurde. Und das ist ein unheimlich schönes Gefühl. Denk gerne mal nach, ob es auch bei dir ein ähnliches Gericht oder Getränk gibt und dann bereite es zu.
4. Sei regelmäßig kindisch
Wenn wir sagen, jemand sei kindisch, dann ist das durchaus negativ konnotiert. Dabei kann es etwas sehr schönes bedeuten und auch dein inneres Kind sehr, sehr glücklich machen – wenn du es eben entsprechend umsetzt. Mit kindisch sein meine ich nicht, dass du anderen die Zunge rausstreckst oder beleidigst bist, weil jemand deinen Stift benutzt hat. Vielmehr meine ich damit, auch mal frei zu sein und Spaß zu haben. Ich war an meinem Geburtstag letztens in einer Spielhalle und habe mich dort ausgetobt. Das hat richtig viel Spaß gemacht.
Generell mag ich Spiele immer noch total gerne und fände es schön, wenn auch Erwachsene noch regelmäßig verstecken spielen würden – das habe ich als Kind besonders geliebt. Reflektiere gerne für dich, wo es in deinem Alltag Raum für Spaß und Spiel gibt. Vielleicht organisierst du auch mal wieder einen Spieleabend oder ein Versteckspiel mit deinen Freunden und Freundinnen (und mit mir, bitte!). Das Erwachsenenleben hat so viel Ernsthaftigkeit, da ist auf jeden Fall Luft für etwas Leichtigkeit. Dein inneres Kind wird es dir danken.
5. Unterhalte dich mit deinem inneren Kind
Kinder wollen gehört werden – das gilt auch für dein inneres Kind. Du musst dich nicht unbedingt laut mit deinem inneren Kind unterhalten, wobei es auch helfen kann, Dinge laut auszusprechen. Vielmehr kannst du hier auf der einen Seite innere Monologe führen oder auch journaln und Dinge aufschreiben. Manchmal kommen mir grade beim Schreiben auch Dinge ins Bewusstsein, die ich vorher gar nicht so wahrgenommen hätte.
Meditation ist auch eine Möglichkeit, mit deinem inneren Kind in Kontakt zu treten. In jedem Falle lege ich dir ans Herz, deinem inneren Kind eine Stimme zu geben und auf seine Bedürfnisse und Grenzen zu hören.
Zusammenfassung
Dein inneres Kind hat Bedürfnisse. Es will gehört und gesehen werden. Es hat Lust zu spielen und will kindisch sein – und dafür wollen wir Raum schaffen. Wenn dir das Thema neu ist, dann fang erstmal mit einem Punkt an, der für dich besonders gut greifbar war. Wenn du in therapeutischer Behandlung bist, sprich mit deinem Therapeut oder deiner Therapeutin darüber.
Innere-Kind-Arbeit ist auch, Zeit für dich zu schaffen. Denn nur, wenn wir im Kontakt mit uns sind, können wir überhaupt erst unsere Bedürfnisse wahrnehmen. Das hilft uns wiederum dabei, negative Glaubenssätze zu erkennen und sie durch neue positive auszutauschen. Dein inneres Kind möchte vielleicht auch einfach mal Süßigkeiten essen, was auch ein wichtiger Grundstein für intuitives Essen ist. Deine Reise ist individuell und muss auch nur für dich Sinn ergeben. Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig dabei helfen, den ersten Schritt zu gehen.
Literaturideen
Das Kind in dir muss Heimat finden von Stefanie Stahl
Aussöhnung mit dem inneren Kind von Erika Chopich und Margaret Paul
Das verlassene Kind von Daniel Dufour
Die Heilung des inneren Kindes Susanne Hahn