Yoga ist seit 2012 fester Teil meines Lebens und wir haben viel miteinander erlebt. Damals hätte ich mir auf jeden Fall nicht gedacht, dass ich heute als selbstständige Yogalehrerin arbeiten werde – unter anderem, weil mein Start eher holprig war. In diesem Beitrag möchte ich gerne meine 5 Learnings und Erfahrungen mit dir teilen, zu denen Yoga mir in den letzten 12 Jahren geholfen hat.
Mein Weg mit Yoga
Aber spulen wir mal an den Anfang zurück. Wir schreiben das Jahr 2012 und damit auch meinen ersten Sommer in Berlin. Ich weiß nicht mehr, wie ich auf die Idee kam, Yoga zu praktizieren, aber aus irgendeinem Grund fand ich mich in einer Schnupperstunde einer traditionellen Yogaschule wieder. Ich hatte so gut wie keine Erfahrung mit Yoga, Meditation und meine Beziehung zu Bewegung war alles andere als positiv zu diesem Zeitpunkt. Etwas, das mir bei dieser Stunde besonders hängengeblieben ist, war die Zeit in Savasana, der Endentspannung im Liegen. Ich fand es langweilig und konnte einfach nicht still sein.
Als ich anschließend auf meinen Bus wartete, habe ich nochmal reflektiert, warum mir das denn so schwer fiel – und dass es vielleicht lohnenswert wäre, dem auf den Grund zu gehen. Darum beschloss ich, bei dieser Schule ein paar Einführungskurse zu besuchen und mich näher mit Yoga zu befassen. Darauf folgte eine ziemlich bunt-gemischte Yogareise mit UniSport, Yogastudios und Selbstpraxis. Ich kannte mich mit Yoga nicht wirklich aus und habe einfach die Kurse gebucht, die zeitlich und örtlich für mich gut passten.
Je mehr Erfahrung ich sammelte, desto mehr konnte ich für mich erkennen, dass mir die langsameren Yogastile besser gefielen als die dynamischen. Auch wenn es mir nicht immer leichtfiel, konnte ich damit in meinen Körper spüren und ihn wahrnehmen. Etwas, das mir davor vollkommen fremd war. Yoga hat mir auch wirklich durch sehr schwere Zeiten geholfen und oft war meine Yogastunde freitagabends der einzige Grund für mich, aus dem Bett zu kommen.
Auch heute ist Yoga eine große Stütze für mich, besonders mental. Wenn ich auf meine Reise zurückblicke, dann erkenne ich darin viel Wachstum und auch Erfahrungen. Meine fünf größten Learnings möchte ich darum im Folgenden mit dir teilen.
1. Yoga findet auch abseits der Matte statt
„Ich mache Yoga“ bedeutet für viele, auf die Matte zu gehen oder sich zu bewegen. Doch ein großer Teil von Yoga findet auch abseits der Matte statt. Sollte dich das interessieren, kannst du gerne tiefer in die yogische Philosophie eintauchen. Wenn wir Yoga als eine Praxis anerkennen, die auch abseits der Matte stattfindet, dann wird es dadurch nicht nur um einiges inklusiver, sondern eröffnet uns auch viele Möglichkeiten. So werden Tage, an denen wir es nicht auf die Matte geschafft haben, trotzdem zu Tagen, an denen wir Yoga praktiziert haben.
Damit meine ich nicht nur solche Praktiken wie Pranayama (Atemübungen) oder Meditation, die ich zum Beispiel vom Sofa aus machen kann, sondern auch Gedanken oder körperliche Wahrnehmungen und auch Themen wie Selbstfürsorge und Alltagsachtsamkeit. Hier sind ein paar Möglichkeiten, wie Yoga abseits der Matte aussehen kann:
- Ich nehme wahr, dass ich grade Zeit für mich brauche und sage meine Abendverabredung. Das zeugt von Selbstfürsorge.
- Mir fällt die Decke auf den Kopf. Ich werde für ein paar Minuten an die frische Luft gehen und meine Gedanken „auslüften“. Das ist Alltagsachtsamkeit.
- Ich merke gerade, dass mich dieses Gespräch belastet. Ich atme kurz durch und bitte mein Gegenüber um eine Pause. Das zeigt mir meine Grenzen auf.
- Gerade höre ich meine innere, kritische Stimme. Ich schließe deshalb kurz die Augen und mache mir bewusst, dass diese einem negativen Glaubenssatz entstammt und nicht die Wahrheit ausspricht. Das verdeutlicht mir, wie gut ich mich schon kenne.
Wie du also merkst, gibt es viele Möglichkeiten, Yoga abseits der Matte zu praktizieren, die nichts mit Bewegung zu tun haben. Vielleicht erkennst du jetzt, wie allgegenwärtig deine Yogapraxis ist und auch, wie sehr du daran als Mensch gewachsen bist.
2. An Zielen anzuhaften führt zu einem schlechteren Ergebnis
Nehmen wir mal an, du möchtest den Kopfstand lernen. Darum gehst du mehrmals die Woche auf deine Matte und hoffst, eines Tages endlich kopfüber stehen zu können. Natürlich kann es sein, dass du so dein Ziel erreichst – aber was dann? Du hast wahrscheinlich ein kurzes Erfolgserlebnis, aber sonst wird sich nichts groß ändern. Ich habe daher einen anderen Vorschlag für dich.
Wenn du ein „Ziel“ für dich ausformulierst, überlege, was es dazu braucht. Nehmen wir das Beispiel des Kopfstands zur Hand. Du brauchst dafür eine regelmäßige Praxis, Kraft aus dem Oberkörper und Mut (und eine heile Halswirbelsäule). Warum also legen wir den Fokus nicht auf diese Fähigkeiten oder Erfahrungen, die keine konkreten Ziele wie die Ausführung eines Kopfstands sind. Dadurch kultivieren wir Fähigkeiten, die über eine Fähigkeit hinausgehen und nachhaltig bei uns bleiben. Beide führen vielleicht zu demselben Ergebnis, aber die Erfahrung und Herangehensweise ist anders.
In der letzteren Erfahrung merkst du, wie gut es dir tut, regelmäßig auf die Matte zu gehen. Anstatt krampfhaft deinen Oberkörper zu trainieren, nimmst du dir aber auch Zeit für ruhige und intuitive Bewegungsabläufe und respektierst deine Bedürfnisse. Da du nicht an dem Ziel anhaftest, sondern eine Routine aufbaust, gibst du dir auch den Raum dafür.
3. Es gibt kein Merkmal für eine lange Yogapraxis
Apropos Kopfstand, kaum eine Haltung wie jene, die uns kopfüber stehen lässt, wirkt nach außen beeindruckender. Doch sind Umkehrhaltungen wie der Kopfstand wirklich ein Maß für eine Person, die lange Yoga praktiziert? Eigentlich zeugen Asanas, die Körperhaltungen, vielmehr von körperlicher Kraft und Flexibilität (möglicherweise, weil der Körper natürlich hyperflexibel ist). Eine Person, die professionell tanzt, kann zwar die Haltungen des Yogas ausführen, aber wie können wir einstufen, ob die Person dadurch automatisch Yogaerfahrung hat?
Vielleicht konzentrierst du dich in deinem Alltag mehr auf das Thema Meditation. Ich zum Beispiel meditiere (im Idealfall) jeden Tag, aber die körperliche Praxis kommt bei mir nicht so oft vor. Wenn ich auf meine 12 Jahre zurückblicke, könnte ich heute sicherlich flexibler und stärker sein – aber dann wäre ich nicht an demselben Punkt, an dem ich jetzt bin. Ich habe mit Yoga gelernt, mich zu akzeptieren (beziehungsweise lerne ich das noch immer). Ich kenne meinen Körper und seine Bedürfnisse besser. Ich weiß, wie ich meinen Atem einsetze. um mich nach stressigen Situationen zu beruhigen.
Das alles sind innere Aspekte, und wir beurteilen viel zu oft das Äußere. Genau das bringt mich zu dem nächsten Punkt.
4. Das Innere zählt mehr als das Äußere
Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich früher ziemlich oft schlecht gelaunt aus einer Yogapraxis herausging. Das klingt vielleicht seltsam – wir lernen im Yoga doch, uns gut zu fühlen, oder? Natürlich kann das ein Aspekt sein, aber wir schaffen vor allem Raum für uns. Wir wollen eine Praxis kultivieren, die uns so empfängt, wie wir eben sind. Ich vergleiche eine Yogapraxis manchmal mit Zwiebelschichten – wir wissen nie, was unter der nächsten Schicht liegt, die vielleicht im Rahmen der Yogastunde freigelegt wurde.
Für mich war es sehr wichtig, diesen Gefühlen Raum zu geben. Dadurch konnte ich sie auch leichter loslassen. Wen interessiert es, ob ich mich auf der Matte flexibel bewegen kann, wenn es mir dabei eigentlich richtig schlecht geht? Ich bin so dankbar, dass ich an und mit meiner Yogapraxis gewachsen bin und sie weiterhin ein fester Bestandteil meines Lebens sein wird. Ich bin sicher, sie wird mir beistehen, wenn weitere Gefühle freigelegt werden.
5. Neugier ist der Schlüssel einer nachhaltigen Yogapraxis
Wenn du auf deine Yogapraxis schaust, gibt es da ausreichend Neugier und „Abenteuer“? Nimmst du dir mal Zeit für dich, um einfach mal frei deinen Körper zu erkunden? Manchmal können wir auch beim Yoga eine Routine finden, die irgendwann langweilig wird und uns vielleicht dann davon abhält, regelmäßig auf die Matte zu gehen.
Vielleicht hast du auch mal Lust, einen neuen Yogastil auszuprobieren? Du liebst dynamische und kraftvolle Bewegung? Wie wäre es mit Yin Yoga als ruhiges Pendant dazu? Du hast noch nie Atemübungen ausprobiert, bist aber neugierig? Dann teste dich durch. Sei es in deinem lokalen Studio oder online, die Welt des Yogas ist unfassbar vielfältig und vielleicht lernst du neue Bewegungsabläufe, Techniken kennen oder ein Zitat aus der Stunde, das richtig gut zu dir passt. Auch als Yogalehrerin ist es für mich wichtig, dass ich gleichzeitig Schülerin bleibe.
Wenn du merkst, dass etwas doch nichts für dich ist, ist das ebenfalls eine wertvolle Erfahrung. Vielleicht passt es in 5 Jahren zu dir, vielleicht nie. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns auch immer verändern und wir sollten unserer Yogapraxis denselben Raum dafür geben. Denn bekanntlich ist ja die einzige Konstante im Leben die Veränderung.
Zusammenfassung
Nach 12 Jahren kann ich feststellen, dass mir Yoga in vielen Bereichen meines Lebens unglaublich geholfen hat. Ich bin sehr dankbar für meine Praxis, die über das Körperliche hinausgeht und mir vor allem auf mentaler Ebene viel weitergeholfen hat. Natürlich bin ich auch dankbar, wenn ich mich auf meiner Matte bewegen kann und mich danach besser fühle, aber das ist für mich ehrlich gesagt gar nicht so wichtig wie die innerlichen Prozesse, die ich jetzt besser greifen kann.
Wenn du auch Yoga praktizierst, würde ich dir an dieser Stelle empfehlen, auch mal zu schauen, was sich bei dir so getan hat. Es muss ja nicht nur auf Yoga zurückzuführen sein, aber vielleicht hat es doch auch einen Beitrag dazu geleistet. Wenn du noch keine Erfahrung auf dem Gebiet hast, dann fang doch heute damit an. Dein zukünftiges Ich wird es dir in 12 Jahren danken, da bin ich mir sicher. Teste doch für 14 Tage kostenlos mein Onlinestudio. Ich freu mich auf dich!
Vielen lieben Dank, dass du deine Yogareise teilst. Das inspiriert mich, meine eigene Yogareise zu reflektieren und Hintergründe, Veränderungen und Erkenntnisse zu erforschen.
Danke für dein Feedback! Ich bin gespannt, was bei deiner Reflexion rauskommt 🙂