Kennst du das: du hast einen stressigen Tag und greifst öfter – oft ganz unbewusst – zur Süßigkeitenlade bei deinem Schreibtisch oder hast das Gefühl, du musst dich abends für den stressigen Tag mit Essen belohnen? Stressessen ist sehr gängig, aber der Grund ist oft gar nicht Stress, wie der Name vermuten lässt, sondern liegt viel tiefer.
1. Was ist Stressessen?
In meiner Erfahrung als Ernährungstherapeutin gibt es oft 2 Typen bei Stress: Jene, die bei Stress aufs Essen vergessen (Typ 1) und jene, die bei Stress mit Essen kompensieren (Typ 2). Zu welcher würdest du dich zählen?
Der Grund für beides ist, dass der Körper im Stress wie eine Art „Alarmmodus“ verfällt. Unser Nervensystem kann heutzutage leider nicht mehr zwischen physischem Stress, also einer körperlichen Bedrohung, und mentalem Stress, unterscheiden. Das bedeutet, dass wir in solchen Moment sehr konzentriert auf eine Sache sind, die unsere Gedanken voll und ganz beanspruchen. Essen wird dann zur Nebensache und der Kontakt zu unseren Körpersignalen ist erschwert.
2. Die 2 Typen im Stressesssen
Typ 1 vergisst in diesen Moment, zu essen und spürt seinen Hunger gar nicht. Es kommt aber auch nicht selten vor, dass Typ 1 dann, wenn er mal isst, dann auch größere Mengen zu sich nimmt. Das ist ein bisschen vergleichbar wie wenn du nach langer Zeit unter Wasser auftauchst und erstmal so richtig nach Luft schnappst.
Typ 2 kann vor allem die Sättigung nicht spüren, aber auch das Wahrnehmen von Hunger ist oft erschwert. Da die körperliche Erhaltung des Stresszustandes sehr viel Energie benötigt, kann hier oft eine Art unterbewusstes Bedürfnis nach Energie vorhanden sein. Zudem kann Essen eine willkommene Abwechslung sein, eine Ablenkung oder auch eben eine Kompensation. Oft geht Stressessen auch mit emotionalem Essen einher, da diese Anspannung in stressigen Zeiten für viele nicht lange aushaltbar ist.
Tatsächlich ist es aber gar nicht so wichtig, zu welchem Typ du gehörst, denn die Lösungsansätze sind gleich. Sie unterscheiden sich primär in der Bewältigung mit Stress – und was die Auslöser dafür sind, darauf schauen wir jetzt.
3. Die häufigsten Auslöser
1. Unterversorgung
Mir begegnen sehr viele Menschen, die unterversorgt sind – das bedeutet, sie nehmen nicht ausreichenden Energie und Nährstoffe zu sich. Besonders in stressigen Situationen ist das das A und O, denn dort braucht der Körper sogar zusätzliche Ressourcen, um all die Aktivitäten aufrecht zu halten. Der Körper ruft dann eine Art „Notfallzustand“ aus und das Gehirn fixiert sich auf die Nahrungsaufnahme, um zumindest den Status Quo besser zu gewährleisten.
Das trifft besonders auf Typ 2 zu, aber nicht exklusiv. Denn gleichzeitig kann der Körper auch in eine Art Sparzustand verfallen und erst dann wieder an die Nahrungsaufnahme denken, wenn es so weit ist. Dass kann etwa in einem Essanfall enden, was auch wiederum nur ein Schutzmechanismus des Körpers ist, denn er bunkert für die Zukunft.
2. Mangelnde oder falsche Selbstfürsorge
Meiner Erfahrung nach wissen viele Menschen zwar, was Selbstfürsorge ist und wie zentral sie für unser Wohlbefinden ist, aber trotzdem scheitern viele immer wieder daran, ausreichend Selbstfürsorge in ihren Alltag zu integrieren. Die Herausforderung dabei sehe ich etwa in einer fehlenden Motivation, was aber oft daran liegt, dass viele Menschen den Begriff der Selbstfürsorge oft zu groß denken.
Selbstfürsorge zeigt sich nämlich nicht unbedingt in dem, was wir tun, sondern WARUM wir es tun. Das heißt, Meditation kann Teil deiner Selbstfürsorge sein – oder eben auch nicht, denn sehr leicht schleicht sich hier Selbstoptimierung in unser Denken ein. Daher haben viele eine „Self-Care-Routine“, die sie gar nicht mögen oder ihnen gar nicht gut tut, aber sie haben das Gefühl, sie müssen es tun.
Darum überleg dir gerne, was dir denn wirklich gut tut. Wenn du Inspiration brauchst, kannst du dich gerne für meine 7-tägige Self-Care Journey anmelden und dir Inspiration suchen. Denn Selbstfürsorge ist dafür da, um dich zu unterstützen – und nicht noch mehr zu stressen.
3. Zu hohe Ansprüche
Na, wie sieht es mit deiner inneren Haltung aus? Meiner Erfahrung nach haben insbesondere Frauen sehr hohe Erwartungen an sich – gut im Job, eine gute Freundin, Partnerin, Mutter, eine gute Versorgerin mit vielen Hobbys sein und einer strahlenden Persönlichkeit. Aber das kommt nicht einfach mit der weiblichen Biologie, sondern so werden wir sozialisiert.
Wir denken, dass wir alles selbst meistern müssen, haben vielleicht auch Schwierigkeiten, Dinge zu delegieren oder Kontrolle abzugeben und fragen vielleicht auch erst zu spät um Hilfe. Gerade bei Menschen, die sehr hohe Ansprüche an sich selbst haben, ist Stressessen ein viel-präsenter Bewältigungsmechanismus, denn es braucht bei diesem Leistungsanspruch oft irgendeine Form von Ventil.
Es kann sein, dass diese Menschen Glaubenssätze verinnerlicht haben, wie: „Meine Arbeit definiert meinen Wert“ oder „Pausen muss ich mir verdienen“. Das führt dann auch dazu, dass sich die Überstunden häufen und der Stresspegel dazu steigt – dann lässt natürlich auch das Stressessen nicht lange auf sich warten. Aber keine Sorge, das muss nicht immer so sein.
4. Stressessen verstehen
Jetzt wo du vielleicht mehr Klarheit hast, wie es zu Stressessen kommt, welche verschiedenen Typen es gibt und was der Grund dahinter ist, können wir genauer darauf schauen, wie wir dieses Verhalten vermeiden und auflösen können. Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, müssen wir erstmal die Auslöser genauer unter die Lupe nehmen. Es ist in diesem Zusammenhang gar nicht so wichtig, welcher Auslöser bei dir im Vordergrund steht, denn wir können (zumindest präventiv) überall sehr gut ansetzen.
Das heißt, es ist in diesem Sinne wichtig, dich mit ausreichend Nahrung zu versorgen, deinen Blick auf Selbstfürsorge reflektieren und hinterfragen, welche Glaubenssätze dein Verhalten befeuern. Natürlich ist es nicht möglich, Stressessen von heute auf morgen komplett aufzulösen, aber bevor wir an das Aufarbeiten eines Verhaltensmusters denken müssen, ist es erstmal wichtig, das zu verstehen und die Auslöser zu kennen.
5. Fazit & Ausblick
Stressessen ist vielschichtig – und vor allem gängig. Es ist eigentlich ein Schutzmechanismus des Körpers durch eine herausfordernde Zeit zu kommen. Egal, ob du zu dem Typ gehörst, der bei Stress vergisst zu essen oder eher vermehrt isst, beide haben ähnliche Auslöser: sei es, dass der Körper unterversorgt ist, wir mangelnde oder falsche Selbstfürsorge praktizieren oder auch zu hohe Ansprüche an uns haben, dieses Verständnis kann und im nächsten Schritt dabei helfen, mit Stressessen endlich Schluss zu machen!
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