Wenn ich nach meinen Hobbys gefragt werde, dann dauert es nicht lange, bis ich auf „lesen“ zu sprechen komme. Ich habe letztes Jahr etwa 65 Bücher gelesen (davon etwa ein Drittel Hörbücher). Für manche ist das sehr viel, für andere nicht. Für mich ist es eine enorme Steigerung, denn eine Zeit lang habe ich kaum gelesen. Während der Pandemie habe ich schließlich meine Liebe zu Büchern wiederentdeckt. Diese Routine konnte ich seit 2020 aufrechterhalten und möchte darum meine Tipps mit dir teilen, wie du auch wieder mehr lesen kannst.
Warum Lesen?
Lesen ist eine der bereicherndsten und lohnendsten Aktivitäten, die du dir vorstellen kannst. Es eröffnet dir neue Welten, erweitert deinen Horizont und sorgt für mehr Achtsamkeit in deinem Lesen. Zudem ist es eine meist analoge Tätigkeit, die dich weg von der Welt des Social Medias bringt. Trotzdem kann der (Wieder-)Einstieg ins Lesen, insbesondere für Erwachsene, die das Lesen bisher vernachlässigt haben, eine Herausforderung darstellen.
Bevor wir in die Tipps und Tricks gehen, will ich dir deshalb nochmal die Vorteile einer regelmäßigen Lese-Routine vor Augen führen:
- Stressabbau: Lesen kann eine Form der Entspannung sein, die hilft, den Alltagsstress abzubauen. Es ist zudem eine sehr bewusste Art der Selbstfürsorge.
- Empathie und Verständnis: Durch das Eintauchen in verschiedene Charaktere und Geschichten entwickelst du ein tieferes Verständnis und Mitgefühl für andere Menschen und Kulturen.
- Achtsamkeit: Beim Lesen ist Multitasking nicht möglich. Darum ist es eine sehr achtsame Praxis, bei der die Gedanken genau an einer Stelle bleiben – ähnlich der Meditation.
- Unterhaltung und Ausgleich: Bücher bieten eine wunderbare Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und in andere Welten abzutauchen.
Mein Tipp
Hast du schon eine Routine, beispielsweise am Morgen? Wir wäre es, im Anschluss daran noch eine Seite zu lesen – oder zumindest ein Fenster für den Tag herauszusuchen, wo du lesen könntest. Gerade Wartezeiten, kleine Tiefs wie nach dem Essen oder etwa Zug- oder Busfahrten bieten sich dafür an.
Der Start: Was liest du gerne?
Der erste Schritt, um mit dem Lesen zu beginnen, besteht darin, den richtigen Lesestoff zu finden. Hier sind einige Tipps, wie du Bücher entdecken kannst, die dich wirklich interessieren:
- Identifiziere deine Interessen: Überlege dir, welche Themen, Genres oder Autor*innen dich faszinieren. Bist du an historischen Romanen, Science-Fiction, Biografien oder Sachbüchern interessiert?
- Empfehlungen und Bestsellerlisten: Nutze Bestsellerlisten, Rezensionen und Empfehlungen von Freund*innen oder Online-Communities, um beliebte und gut bewertete Bücher zu finden. Du kannst mir auch gerne schreiben und ich schicke dir meine Empfehlungen weiter.
- Bücherläden und Bibliotheken: Besuche lokale Buchläden und Bibliotheken, stöbere in den Regalen und lass dich von den dortigen Mitarbeiter*innen beraten.
- Leseproben: Viele Bücher bieten Leseproben an, die du kostenlos online lesen kannst. Dies gibt dir einen ersten Eindruck, ob das Buch deinen Geschmack trifft.
- Buchclubs und Online-Foren: Tritt einem Buchclub bei oder beteilige dich an Online-Foren, um Empfehlungen zu erhalten und dich mit anderen Leser*innen auszutauschen.
Mein Tipp
Wenn du wirklich Schwierigkeiten dabei hast, die Routine erst zu etablieren, dann räume sämtliche Hindernisse aus dem Weg. Die Literatur-Szene ist manchmal ganz schön prätentiös. Such dir also wirklich ein Buch, dass dich interessiert – egal, ob es „literarisch wertvoll“ ist. Wenn du mit einem schweren und langen Buch einsteigst, macht es dir wahrscheinlich alles andere als leicht. Erlaube dir, einfach mal eine Liebesgeschichte zu lesen, wenn dich das interessiert. Es muss kein Klassiker oder Sachbuch sein, denen kannst du dich später widmen. Jetzt geht es erstmal um die Routine und darum, Spaß am Lesen zu finden.
Zeitmanagement: Lesen in den Alltag integrieren
Ein häufiges Hindernis für das Lesen ist der Mangel an Zeit. Doch selbst ein voller Terminkalender bietet Raum für das Lesen, wenn du es geschickt planst:
- Lesezeit einplanen: Setze dir feste Zeiten zum Lesen, sei es morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause oder abends vor dem Schlafengehen.
- Kleine Einheiten: Du musst nicht gleich stundenlang lesen. Schon wenige Minuten am Tag können einen großen Unterschied machen.
- Immer ein Buch dabei: Trage immer ein Buch oder einen E-Reader (siehe weiter unten) bei dir. So kannst du Wartezeiten oder Pausen fürs Lesen nutzen.
- Multitasking vermeiden: Schaffe eine ruhige Umgebung, in der du dich ganz auf das Lesen konzentrieren kannst, ohne Ablenkungen durch Handy oder Fernseher.
- Lesen als Ritual: Mache das Lesen zu einem festen Bestandteil deiner täglichen Routine, ähnlich wie Zähneputzen oder Sport.
- Gewohnheits-Austausch: Statt zum Handy zu greifen, schnapp dir ein Buch oder Hörbuch. Auch wenn es nur ein paar Zeilen sind, die du liest, bist du nicht wieder bei den Sozialen Netzwerken hängen geblieben.
Mein Tipp
Nimm dir für einen Zeitraum (1 Woche, 1 Monat) vor, jeden Tag mindestens eine Seite zu lesen. Wenn du Zeit hast, kannst du gerne mehr lesen, aber – glaube mir – es wird auch Tage geben, an denen du für das geringe Minimum dankbar bist. Manchmal müssen wir uns einen kleinen Schubs geben, um mit etwas zu starten. Ich bin mir sicher, nach deinem gesetzten Zeitraum ist aus dem Lesen schon eine kleine Gewohnheiten geworden.
E-Books und Bibliotheken: die unendliche Lesewelt
Im digitalen Zeitalter stehen uns zahlreiche Werkzeuge und Ressourcen zur Verfügung, die das Lesen erleichtern und bereichern können. Auch wenn Lesen eigentlich eine primär analoge Tätigkeit ist bzw. war, kann Technologie uns das Leben trotzdem vereinfachen. Schließlich sind Bücher zum einen schwer und nehmen etwa auf einer Reise Raum und Gewicht ein und zum anderen verstauben sie manchmal einfach nur auf der Fensterbank
Wenn du nicht unbedingt das Buch spüren musst, könnten E-Reader eine gute Option für dich sein. Wenn du da skeptisch bist, dann bleibt entweder beim Medium Papier oder probier‘ es doch einfach mal aus. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, heute fast nur noch digital zu lesen. Aber es ist bequem und einfach zu handhaben. Du hast unterwegs immer mehrere Bücher dabei und kannst nach Lust und Laune entscheiden, was du lesen möchtest.
Bibliotheken sind ebenfalls eine tolle Möglichkeit, sowohl für das kleine Portemonnaie und die kleine Wohnung. Meist kosten die Mitgliedschaften sehr wenig, etwa 10 Euro im Jahr, also in etwa so viel wie ein Buch. Dafür hast du meist eine sehr große Auswahl an Literatur und kannst oft auch noch Wünsche für Neubestellungen aufgeben. Viele Bibliotheken haben auch Spiele, die du dir ausborgen kannst, oder auch eine große Sammlung an Hörbüchern.
Mein Tipp
Ich nutze die App „Libby“ für meine Literatur. Die ist kostenlos (und das hier ist auch keine bezahlte Werbung, ich bin einfach nur begeistert davon). Die kannst du mit deiner Bibliothek verbinden und dann dort nach Büchern forsten. Es gibt die Möglichkeit, Bücher vorzumerken, wenn sie grade nicht verfügbar sind. Du kannst einen Dunkel-Modus einstellen, was ich mache, damit das Licht nicht zu grell ist, und auch im Flugmodus ganz ungestört lesen. Ich lese mittlerweile 95% meiner Literatur auf diese Art und Weise. Das Praktische ist, dass ich damit auch Hörbücher hören kann.
Hörbücher: ein wunderbarer Kompromiss
Hörbücher sind ebenfalls eine tolle Möglichkeit, mit dem Lesen anzufangen. Ja, eigentlich lesen wir dabei nicht, sondern hören zu, aber trotzdem konsumieren wir Literatur. Meiner Meinung nach ist alles, was mit Lesen zu tun hat, wertvoll, egal, auf welche Art wir den Inhalt aufnehmen.
Gerade für Serien oder Filmen sind Hörbücher eine vergleichbare Alternative. Dabei wird nicht nur der Sehsinn entlastet, sondern unser Gehirn nimmt auch weniger Reize auf. So kannst du beispielsweise beim Essen Hörbuch hören, anstatt eine Serie zu schauen. Das sorgt dafür, dass du achtsamer isst und trotzdem ein wenig unterhalten wirst. Ich habe diesen Tausch seit Herbst 2023 gemacht und könnte kaum glücklicher sein.
Mein Tipp
Lass Hörbücher Teil deiner Abendroutine werden. Mich erinnert das an meine Zeit als Kind mit Kassette hören vor dem Einschlafen. Viele Apps (darunter auch Libby) haben einen Schlaf-Timer, sodass sie nach einer Zeit von selbst auf Pause drücken. Ich schlafe beim Hörbuch zwar nicht ein, aber kann schon mal die Augen schließen. Mittlerweile ist mein Körper auch ganz gut darauf konditioniert und wird dabei müde.
Fazit: Der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft
Der Weg zum regelmäßigen Lesen mag anfangs herausfordernd erscheinen, doch mit den richtigen Strategien und der passenden Motivation kann es zu einer der bereicherndsten Gewohnheiten deines Lebens werden. Lesen ist in meinen Augen ein so wundervoller Zeitvertreib. Ob du dich in fremde Welten eintauchst, Menschen auf ihrer Reise folgst oder etwas für dich lernst – jede gelesene Seite hat einen Mehrwert für dich.
Bevor dein Leseabenteuer startet, nimm dir Zeit, um die für dich passenden Bücher zu finden, integriere das Lesen in deinen Alltag und genieße die Inhalte, die jedes Buch dir bietet. Lies, entdecke und lass dich inspirieren.