Bist du auch schon über den Begriff des „traumsensiblen“ Yogas gestolpert und hast dich gefragt, an wen richtet sich das eigentlich? Vielleicht schreckt dich der Begriff auch ab, weil du dir denkst, dabei reden alle über ihr Trauma. Oder du denkst dir, dass es gar nicht zu dir passt, weil du ja keine Trauma-Erfahrung hast.
Dann bist du hier auf jeden Fall richtig, denn als traumasensible Yogalehrerin teile ich gerne mein Wissen und meine Erfahrung zu dieser Thematik mit dir.
1. Was ist traumasensibles Yoga eigentlich?
Bevor wir uns anschauen, an wen es sich überhaupt richtet, müssen wir es erstmal definieren. Bei traumasensiblem handelt es sich um eine Methode zu unterrichten und keinen klassischen Stil wie Yin Yoga oder Hatha Yoga. Das heißt, ich kann eigentlich das meiste Yoga aus einer traumasensiblen Perspektive unterrichten.
Eine traumasensible Stunde umfasst etwa, dass ich den Teilnehmenden Raum gebe, Entscheidungen zu treffen – und das wird auch explizit vorher vermitteln. Etwa, ob sie ihre Augen öffnen oder schließen wollen. Ich lege in meinen Offline-Stunden auch Hands-On-Karten aus, wo ich non-verbal erfrage, ob ich die Teilnehmenden anfassen darf. Sie liegen erst auf Nein und ich bespreche das auch vorher. Genauso sage ich an, wenn ich rumkomme. So haben Teilnehmende Raum und Zeit, sich doch nochmal umzuentscheiden.
Ein weiterer Aspekt einer traumasensiblen Yogastunde ist die Nervensystemregulation. Dabei werden Methoden angewandt, wie das bewusste Spüren des Bodens, sanftes Wiegen, bewusstes Atmen oder die Lenkung des Fokus‘ auf den Körper. Diese Methoden sind relativ subtil, so dass du vielleicht sogar schon mal traumasensibles Yoga praktiziert hast, ohne es explizit zu merken.
2. Welche Rolle spielt das Trauma im traumasensiblen Yoga?
Jetzt fragst du dich vielleicht, welche Rolle Trauma in diesem Kontext überhaupt spielt. Tatsächlich ist der Ansatz aus der Perspektive des Unterrichtens, dass ich mir zum einen bewusst sind, dass ich Menschen in meinen Yogastunden haben werde, die eine Form von Traumaerfahrung gemacht haben in ihrem Leben. Ich bin dafür sensibilisiert.
Zum andern wollen wir auch einen Raum schaffen, in dem sich Menschen sicher und wohl fühlen – unabhängig davon, ob sie schon mal Trauma erlebt haben oder nicht. So, wie ich es sehe, ist es einfach ein enormer Vorteil, Menschen Entscheidungsfähigkeiten zu gewähren. Etwa, ob sie angefasst werden wollen – oder eben nicht.
Was wir in solchen Yogastunden auf jeden Fall NICHT tun, ist, über Trauma in irgendeiner Form zu sprechen. Ich frage niemanden nach dem Trauma, ich verweise nicht auf das Trauma und es spielt explizit in diesem Sinne gar keine Rolle. In meinen Augen ist es eine riesige Red Flag, wenn das der Fall ist, denn das hat nur in einem geschützten, psychotherapeutischen Raum etwas zu suchen – und bestimmt nicht in einer Yogastunde.
3. Was sind die Vorteile von traumasensiblem Yoga?
Eine Thematik, die viele meiner Klientinnen, nicht nur im Yogabereich, beschäftigt, ist die Selbstfürsorge. Selbstfürsorge kann bedeuten, dass ich merke, was mir gut tut und was eben nicht. Dass ich mir regelmäßig Zeit, wenn auch nicht viel, für mich nehme. Dass ich wahrnehme, wenn es mir zu viel wird und mir eine Pause nehme. Dass ich anerkenne, dass alle Emotionen valide sind und Wut, Traurigkeit und Einsamkeit genauso ihren Platz haben wie Freude und Glückseligkeit.
Im traumasensiblen Yoga lernen wir uns außerdem besser kennen. Wir lernen, den Zugang zu unserem Körper und Geist (wieder) herzustellen. Wir erkennen, was sich gut anfühlt und lernen, uns nicht zu werten. Das sind wichtige Grundsteine für ein gesundes Leben und für die Praxis von Selbstfürsorge. Das mag vielleicht etwas banal klingen, aber viele Menschen tun sich leichter, erstmal ein paar Minuten auf der Matte Yoga zu praktizieren, bevor sie sich im Alltag mit sich selbst auseinandersetzen.
4. Körperliches und mentales Yoga
Für mich war der Zugang zum Yoga genau so. Ich habe Yoga erst als etwas Bewegtes kennengelernt und habe dann erst wahrgenommen, wie mich Yoga auch im Alltag begleitet. Besonders prägend war die Zeit meiner „aktiven“ Depression. Ich bin freitags etwa nur für meine Yogastunde aus dem Bett gekommen. Irgendwann habe ich dann begonnen, mich selbstständig und frei auf der Matte zu bewegen. Im Laufe meiner Yogapraxis habe ich immer mehr andere Aspekte des Yogas zu schätzen gelernt, wie etwa Atempraxis oder Meditation.
Doch da hört es nicht auf, denn Yoga ist noch viel mehr als das. Es ist die Beobachtung unserer Gedanken. Es ist die Art und Weise, wie wir mit uns selbst umgehen – oder auch mit anderen. Denken und Reflektieren gehören genauso zum Yoga wie der Sonnengruß. Da traumasensibles Yoga weit über das Körperliche hinaus geht, sehe ich dort auch seine Stärken.
Das bedeutet aber nicht, dass meine Teilnehmerinnen das genau gleich sehen wie ich. Sie haben vielleicht andere Motivationen, wie das Auflockern des Körpers oder Vorbeugen ihrer Rückenschmerzen. Und trotzdem sind es oft die nicht-körperlichen Aspekte, die uns immer wieder auf die Matte holen und Yoga auch darüber hinaus präsenter in unserem Alltag machen.
5. Für wen ist traumasensibles Yoga geeignet?
Die Kurzantwort darauf wäre: für fast alle Menschen. Für Menschen mit und ohne Traumaerfahrung. Für Menschen, die nur körperliches Yoga praktizieren wollen oder mehr über Nervensystemregulation erfahren wollen. Es handelt sich um eine inklusivere Art und Weise, Yoga zu praktizieren und, wie so oft, bedeutet Inklusion in diesem Kontext, dass sich mehr Menschen gesehen fühlen.
Gleichzeitig öffnet sich dadurch auch ein Raum für andere Menschen um sich frei zu fühlen. Wenn du also offen dafür bist, mit Yoga mehr über dich und deinen Körper zu lernen, dann bist du hier an der richtigen Stelle.
6. Für wen ist traumasensibles Yoga nicht geeignet?
Wenn du hingegen jemanden suchst, der dir im Yoga dabei hilft, regelmäßig über deinen Grenzen zu gehen, oder dich mit Yoga zu optimieren, dann bist du hier falsch. Obwohl gerade solchen Menschen enorm von einem traumasensiblen Ansatz profitieren würden, sind sie (zumindest noch nicht) dafür offen. Aber das kann sich natürlich auch ändern.
7. Zusammenfassung
Ob du Yoga zur Regulation praktizierst, dich in deinem Körper wohlfühlen willst oder mehr über dich erfahren willst, traumasensibles Yoga hat so viele Vorteile, die weit über die Matte hinausgehen. Wenn du jetzt neugierig bist, kannst du mal mein Online Yogastudio für 14 Tage kostenlos testen und dir traumasensibles Yoga aus nächster Nähe erleben. Du kannst auch gerne in meinen Podcast reinhören, wo ich darüber spreche, wie Traumasensibilität im Alltag aussehen kann. Oder du gehst mit mir gemeinsam auf eine 3-tägige Reise zu einem regulierterem Nervensystem.