Du kennst bestimmt den körperlichen Hunger, also das Gefühl, dass der Magen knurrt und du etwas zu essen brauchst. Aber hast du in diesem Zusammenhang schon mal von emotionalem Hunger gehört? Auch er vermittelt uns ein Bedürfnis – aber welches genau? Und wie kannst du die beiden unterscheiden? Wenn dich diese Fragen interessieren, dann lies gerne weiter.
Und wenn wir uns noch nicht kennen: Hi, ich bin Doris, zertifizierte Ernährungsfachkraft, Ernährungstherapeutin für intuitives Essen. Ich helfe Menschen dabei, Frieden mit ihrem Körper und dem Essen zu schließen – mit gewichtsneutralem Ernährungwissen, Empathie und ganz viel gemeinsamem Hinterfragen der alten Glaubenssätze. Schön, dass du da bist!
1. Was ist körperlicher Hunger?
Fangen wir mal mit dem etwas „offensichtlicherem“ Hunger an, dem körperlichen. Ich weiß aber auch, dass viele mit der Zeit verlernt haben, ihren Hunger zu spüren. Gerade Menschen mit einer Diätvergangenheit haben Schwierigkeiten, ihre Körpersignale, wie Hunger und Sättigung, zu spüren. Daher ist er für viele zwar zugänglicher, aber noch lange nicht leicht zu spüren. Du erfährst auch gleich, was du tun kannst, um dich mit deinem körperlichen Hunger wieder zu verbinden.
Körperlicher Hunger kann sich auf verschiedene Arten zeigen. Klassische Symptome sind Magenknurren, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, leichter Schwindel und die Lust, wieder etwas zu essen. Hunger ist keines dieser Körpersignale, dass nur an einem bestimmten Punkt spürbar ist, sondern es handelt sich dabei um eine Skala. Stell dir vor, auf der einen Seite der Skala ist der Punkt der absoluten Sättigung und auf der anderen der totale Hunger. Wenn wir gerade gegessen haben, befinden wir uns eher an einem Punkt in Richtung Sättigung auf der Skala und mit der Zeit wandern wir immer weiter in Richtung Hunger. Der ist erstmal leichter und irgendwann stärker und lauter.
Ähnlich ist es bei der Blase. Du kannst auch auf die Toilette gehen, obwohl der Harndrang gar nicht so stark ist. Daher können wir auch an unterschiedlichen Punkten essen. Tatsächlich lohnt es sich auch, nicht in den Überhunger zu kommen, denn dann wird es oft sehr schwer, auf den passenden Punkt der Sättigung zu achten. Wenn du tiefer in diese Thematik eintauchen möchtest, kannst du dir auch gerne meine Podcastfolge zu den unterschiedlichen Hungerarten anhören.
2. Was ist emotionaler Hunger?
Nachdem wir uns den körperlichen Hunger genauer angeschaut haben, lenken wir den Blick nun auf sein emotionales Pendant. Bevor wir das tun, möchte ich aber einen Grundsatz klären: Essen und Emotionen sind eng miteinander verbunden. Wir erfreuen uns zum Beispiel an einem leckeren Gericht oder empfinden Nostalgie bei einem geliebten Kindheitsessen. Wir ärgern uns, wenn uns ein Gericht misslingt und können auch über den letzten Bissen trauern. Das sage ich vor allem deshalb, weil ich das Gefühl habe, dass gerade diese Emotionalität rund um das Thema Essen in meinen Augen zu stark pathologisiert wird.
Wenn wir nun aber auf den Begriff des „emotionalen Hungers“ schauen, dann kann es sich dabei um ein Bedürfnis handeln, eine Art Sehnsucht oder einen Wunsch nach Nähe, Verbundenheit oder auch Verständnis. Menschen sind nun mal gesellige Wesen und keine Maschinen, daher können sich komplexere, emotionale Wünsche wie eine Art „Hunger“ zeigen.
Besonders klar wird das auch, wenn wir mal reflektieren, dass viele Menschen sich emotional „ausgehungert“ fühlen. Durch die Zunahme an Digitalität geht für manche das Zwischenmenschliche verloren, obwohl wir es in unterschiedlichen Anteilen alle brauchen. Zudem fühlen viele sich in ihrem Alltag ausgelaugt, erschöpft und vernachlässigen ihre Bedürfnisse. Ähnlich also, wie du nach einem vollen Tag total körperlich hungrig nach Hause kommst und dringend etwas zu essen brauchst, kann es genauso sein, dass du dich den Tag über einsam gefühlt hast und dann „hungrig“ nach Nähe und Verbundenheit bist.
3. Hungerarten unterscheiden
Auf den ersten Blick wirken emotionaler und körperlicher Hunger sehr unterschiedlich und dadurch in der Theorie auch leicht zu unterscheiden – aber das sind sie in der Praxis gar nicht, denn bei beiden Hungerarten geht es um wichtige Grundbedürfnisse, auf die ich später noch eingehe. Außerdem können sie auch parallel auftauchen, also ich kann körperlich hungrig sein und gleichzeitig auch ein emotionales Bedürfnis verspüren. Wenn ich dann mit meinen Kolleg*innen essen gehe, könnte ich mich auf beide Arten sättigen – oder, wie beim vorigen Beispiel, zu Hause mit meinem Partner oder meiner Partnerin etwas leckeres essen.
Besonders oft sehe ich aber, dass viele Menschen denken, dass sie gerade, wenn sie zu Süßigkeiten oder Snacks greifen, aus emotionalen Gründen essen, da diese Art der Lebensmittel oft negativ konnotiert sind. Dann ist der Wunsch dar, dieses Bedürfnis einzuordnen, sehr groß und emotionale Gründe bieten dafür eine gute Einordnung.
Tatsächlich würde ich an dieser Stelle dafür plädieren, dass es gar nicht notwendig ist, die beiden Hungerarten zu unterscheiden. Es gibt vielmehr andere Methoden und Herangehensweisen, um dich gut zu versorgen – emotional als auch körperlich. Das beinhaltet zum einen die Stärkung deiner Körperwahrnehmung und zum anderen das Erfüllen deiner Bedürfnisse – präventiv als auch situativ.
4. Körperwahrnehmung stärken
Der erste Schritt, um deine Körpersignale besser wahr zu nehmen, ist, deine Körperwahrnehmung zu schulen. Ein besonders wichtiges Tool dafür ist Achtsamkeit auf allen Ebenen. Sei das Meditation, Atempraxis, Journaling, bewegtes Yoga, Zeichnen und alles andere Dinge, die kein Multitasking erfordern.
Dabei lernen wir, den Blick auf eine Sache zu lenken, den Fokus zu schulen und wahr zu nehmen, was in uns vorgeht. Ganz oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass etwa beim Entspannen in der Yogastunde sich auf einmal eine Müdigkeit breit macht, die vorher gar keinen Raum hatte. Das bedeutet nicht, dass wir dadurch müder geworden sind, sondern vielmehr, dass leiserer Körpersignale oft durch ein überreiztes Nervensignal überdeckt worden sind und gar nicht gehört werden konnten.
Körperlicher Hunger ist nur eines von vielen Körpersignalen, was wir dadurch besser wahrnehmen können. Achtsamkeit ist zudem ein wichtiges Tool auf dem Weg zu mehr Körperwertschätzung und Akzeptanz. Wenn du dafür eine Yogapraxis kennenlernen möchtest, die dich frei von Leistungsdruck begleitet, dann kannst du gerne mein Online Yogastudio für 14 Tage kostenlos testen.
5. Auf die eigenen Bedürfnisse hören
Emotionaler Hunger teilt uns mit, dass es ein oder mehrere unerfüllte(s) Bedürfnis(se) gibt. Wie schon erwähnt, kann es aber auch sehr komplex sein, in diesen Momenten genau zu erfahren, um welches Bedürfnis es sich genau handelt. Daher ist mein Vorschlag, die Sache ganz anders anzugehen.
Mit meinen Klientinnen arbeite ich oft daran, sicher zu stellen, dass sie auch im stressigen Alltag Momente schaffen, um ihre Bedürfnisse zu stillen – und die sehen bei jedem Menschen anders aus. Das kann bedeuten, ausreichend einzukaufen und schnell-verfügbares Essen zu Hause zu haben. Vielleicht heißt das, eine Verabredung ab zu sagen, weil es sonst in der ganzen Woche keinen Abend nur für sich gibt. Vielleicht sprechen wir auch darüber, die Mittagspause für eine kleine Tanzeinheit zu nutzen.
Gerade Frauen sind oft so erzogen, dass sie es immer allen anderen recht machen wollen, aber sie selbst kommen erst als Letzte dran. Daher kann sich diese Perspektive auch erstmal fremd und egoistisch anfühlen und das ist völlig in Ordnung. Mit der Zeit wird es immer leichter werden, sich auch mal an erster Stelle zu setzen.
6. Dein nächster Schritt
Wie du gemerkt hast, sind körperlicher Hunger und emotionaler Hunger zwar in der Theorie leicht zu unterscheiden, in der Praxis aber nicht unbedingt. Ich hoffe, ich konnte dir aber auch aufzeigen, dass es gar nicht zwingend notwendig ist, sie so streng zu unterscheiden. Vielmehr würde ich dir ans Herz legen, auf deine eigenen Bedürfnisse zu hören und die Wahrnehmung deiner Körpersignale mit Achtsamkeit zu schulen. Wenn du möchtest, begleite ich dich über 7 Tage mit verschiedenen Selbstfürsorge-Übungen dabei.